Die Botschaft des Großvaters

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Lesung mit Hesse-Enkelin lockt zahlreiche Besucher in die Maulbronner Kunstsammlung Heinrich

Maulbronn. Keine Frage: Hermann Hesse war ein Meister seiner Kunst, und seine Werke haben nicht zuletzt wegen ihrer Tiefgründigkeit und sprachlichen Brillanz zahlreiche Anhänger. Man durfte daher gespannt sein, wie seine Enkelin Eva Hesse, die auf Einladung des Fördervereins Maulbronner Kultur zu einer Lesung in die örtliche Kunstsammlung Heinrich gekommen war, die Texte ihres Großvaters präsentieren würde. „Es gibt keine Stühle mehr“, freute sich Dr. Karin Ehlers vom Förderverein bei der Begrüßung über die gute Besucherresonanz.

Die Botschaft des Großvaters

Eva Hesse, die Enkelin Hermann Hesses, trägt in Maulbronn Gedichte und Erzählungen ihres berühmten Großvaters vor. Foto: Bischoff-Krappel

Im Zentrum der Lesung von Eva Hesse sollten Gedichte und Erzählungen ihres Großvaters stehen, die das Thema „Frühling“ zum Inhalt hatten. „Ich finde, mein Großvater ist in seinen sozialen und politischen Aussagen sowie seinem Verhältnis zur Natur noch immer aktuell“, so die in der Südtoskana wohnhafte Hesse eingangs zu den Besuchern. Gleich zu Beginn der Lesung machte die 1943 in Zürich geborene Künstlerin deutlich: „Ich bin keine Schauspielerin.“ Und tatsächlich: Zwar hatte Eva Hesse traumhaft schöne Texte mit Naturbetrachtungen ihres Großvaters ausgewählt, die sie mit charmantem schweizerdeutschem Akzent vortrug, jedoch: Der Funke wollte nicht so recht überspringen. Ob in Hermann Hesses Gedicht „Der Blütenzweig“ oder in seiner mehrseitigen Beschreibung einer Buche im Verlauf ihres Lebenszyklus, ob in seiner schriftlich zum Ausdruck gebrachten Liebe zu Bäumen als eindringliche Prediger der Urgesetze des Lebens oder in der Beschreibung des abendlichen Wolkenspiels am Tessiner Himmel: Nur selten gelang es Eva Hesse, die Tiefe der Texte wiederzugeben und zu entfalten. Dies spiegelte sich in den Stimmen vieler Besucher in der Pause wider: „Hesse zu hören, ist immer eine Freude“, so eine Besucherin. „Aber etwas mehr Stimmmodulation und Publikumsansprache sowie einige erläuternde Hinführungen zu den Texten wären schön gewesen.“ Ein weiterer Besucher brachte es auf den Punkt: „Der Name Hesse alleine reicht nicht aus, um das Werk des großen Schriftstellers adäquat zu würdigen.“

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