Zwischen Idealen und Eigenverantwortung
Archiv
Dieter Müller vom Kreisseniorenrat und Martin Schöneck vom Vdk zum Vorschlag, Senioren als Risikogruppe zu isolieren
Enzkreis. Die Corona-Krise wirft immer neue Fragen auf, wenn es um die Einschränkung der persönlichen Freiheiten zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Virus geht. Für Aufsehen und teils auch herbe Kritik hatte vor einigen Tagen ein Vorschlag des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer gesorgt: Die älteren Gruppen, so lautet der Vorschlag, sollen aufgrund des stark erhöhten Risikos für schwere oder gar tödliche Krankheitsverläufe vollständig in Isolation verbleiben. Um unter anderem die wirtschaftliche Lage zu verbessern und wieder mehr Normalität herzustellen, solle hingegen den jüngeren Bevölkerungsgruppen ein schrittweiser Einstieg in den Alltag ermöglicht werden. Hierzu sollen bestehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens für sie nach und nach heruntergefahren werden. In der Region sind die Meinungen zu dieser denkbaren Maßnahme gespalten.
Dass eine Isolation der älteren Bevölkerungsgruppe unter entsprechenden Umständen durchaus gerechtfertigt sein kann, findet beispielsweise der Vorsitzende des Kreisseniorenrats, Dieter Müller. Auch er selbst befinde sich im Alter von 77 Jahren derzeit zu Hause, von seinem Umfeld erhalte er dabei genügend Hilfe und werde trotz Isolation gut versorgt. Die an Boris Palmers Vorschlag oftmals geäußerte Kritik, dass es nicht zumutbar sei, die ältere Risikogruppe komplett zu isolieren, halte er in Anbetracht der Gesamtsituation für nicht ausschlaggebend. „Es ist nicht gut, wenn Leute in einer solchen Situation auf ihre Ideale zurückgreifen. Man muss einfach pragmatisch denken“, findet Müller. Unterstützung könnte den isolierten Risikogruppen daher beispielsweise durch die Jüngeren zukommen.
Wir freuen uns, dass Sie sich für
einen Artikel interessieren.
Jetzt registrieren und weiterlesen.
- ➔ Alle Webseiteninhalte
-
➔ Inklusive aller
Artikel
- ➔ Jederzeit kündbar
Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen