„Wurde zur Tat mit Gewalt gezwungen“

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23-Jähriger muss sich wegen Überfall auf Spielhalle verantworten

Pforzheim (weg). „Ich schäme mich, dass ich im Gefängnis bin. Aber ich wurde zu der Tat gezwungen“, sagte der 23 Jahre alte angeklagte Taxos (Name geändert), der sich vor der Auswärtigen Großen Strafkammer wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung verantworten musste. Mit einer Schrotpistole hatte er am 10. April, kurz vor 22 Uhr, eine Spielhalle überfallen und dabei rund 4200 Euro erbeutet. In der Spielhalle befand sich zu der Zeit außer der 25 Jahre alten Spielhallenaufsicht nur noch sein Mittäter Bayram (37), der ihm per Handy-Anruf signalisiert hatte, dass „die Luft rein“ sei. Taxos sprach mehr als zwei Stunden lang im Saal I, in dem etwa dieselben Temperaturen wie im Freien herrschten. Sein Wohnungsnachbar, so Taxos, habe ihn zusammen mit Bayram zu der Tat mit Waffengewalt gezwungen. Sie hätten auch gedroht, seiner Mutter etwas anzutun. Vor deren Tür stehe bereits ein weiterer Komplize. Weinend habe er, Taxos, daraufhin eine halbe Flasche Ouzo „ausgeext“ (also „ex“ getrunken), sei dann vom Wohnungsnachbarn zur Spielhalle gebracht und gezwungen worden, die Tat auszuführen. Das ganze Geld habe er danach abgeben müssen. Betrunken sei er auch gewesen. Der Sachverständige errechnete einen Promillegehalt von 2,8 bis 3,4 Promille aus. Alkohol ist Taxos, nach eigenen Angaben, nicht gewohnt. Auf den Videoaufzeichnungen in der Spielhalle war von Trunkenheit nichts zu sehen.

Immerzu hätten Bayram und Taxos’ Wohnungsnachbar in der Wohnung des Angeklagten Drogen konsumiert. Das Geld aus dem Überfall hätten sie für neue Drogen benötigt. Bayram habe ihn Wochen vor dem Überfall auch geheißen, Geld aus Drogenverkäufen von Schuldnern einzutreiben. Er selbst, Taxos, habe gar kein Geld nötig gehabt, sein Konto sei immer gut gedeckt gewesen. „Einen Action-Film“ erzähle Taxos, sagte Bayram. Tatsächlich habe der junge Mann ihm mehrfach vorgejammert, dass er Schulden beim Gericht habe. Aus „Spaß“ habe er dann gesagt, Taxos solle doch eine Bank oder eine Spielhalle überfallen. „Dummerweise“ habe er Taxos tatsächlich über Handy das Signal gegeben, dass niemand mehr außer der jungen Frau von der Aufsicht in der Spielhalle sei. Durch einen als Tarnung mitgebrachten Pizzakarton wurden die Ermittler anhand von Fingerabdrücken schnell fündig. Bei der Festnahme wurde Taxos das Ohr blutig geschlagen. Der Prozess wird am 23. Oktober fortgesetzt.

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