„Wir leben total über unsere Verhältnisse“

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Stadtgespräch mit Jobst Kraus in der Mühlacker Pauluskirche

Mühlacker. Die dritte Runde der herbstlichen Stadtgespräche in der Pauluskirche war dem Thema „Du hast den Menschen zum Herrn über die Natur gemacht“, Worte aus dem achten Psalm, gewidmet. Als Referentin hatten die 45 Besucher Dr. Brigitte Dahlbender, Biologin und Landesvorsitzende des BUND in Baden-Württemberg, erwartet. Deren Absage kam so kurzfristig, dass eine entsprechende Pressemitteilung nicht mehr möglich war. „Doch mit Jobst Kraus hat sie uns jemanden geschickt, der mit der Materie ebenso vertraut ist wie sie“, empfahl die Moderatorin des Abends, Pfarrerin Franziska Müller, den „Ersatzmann“.

Jobst Kraus.

Jobst Kraus.

35 Jahre lang habe er die Akademie Bad Boll geleitet. Ein schonender Umgang mit der Umwelt sei seit Langem sein Thema, er habe das EU-Leuchtturmprojekt mit angestoßen, bei kommunalen Energieagenturen beim Energiesparen mitgewirkt und eine Energiewende gepredigt. Außerdem habe er für den Verband Region Stuttgart die Zukunftsvisionen mit entworfen, sich mit Verkehrsplanung und Landschaftsparks beschäftigt und die Küche bei evangelischen Kirchentagen umgekrempelt – geleitet von der Idee, dass bei so großen Veranstaltungen regional und ökologisch produzierte und fair bezahlte Produkte dem Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, doch sehr nahe kämen und mit sozialer Gerechtigkeit einhergingen. Kraus hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Vom Reden zum Tun“. Er ruft zur Umkehr vom gängigen Konsumverhalten hin zum einfachen Lebensstil auf, zu umweltverträglicher Landwirtschaft, zur Abkehr von der Wegwerfgesellschaft. „Wir leben total über unsere Verhältnisse, wir plündern die Erde. Sie hat genug für alle, aber nicht für die überhebliche Gier des Menschen. Es ist falsch, dass immer der Ökonomie vor Ökologie und sozialer Gerechtigkeit Priorität eingeräumt wird“, sagte er. Alles eigentlich nichts Neues, könnte ein Fazit seiner Ausführungen lauten. Geredet wird viel, aber am Tun auf breiter gesellschaftlicher Ebene mangelt es. „Kann ich als Einzelne überhaupt etwas ändern?“, zweifelte eine Teilnehmerin.

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