„Wir haben keine Patentlösung“

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Appell des Landratsamts verhallt nicht ungehört, doch die Suche nach geeignetem Wohnraum für Flüchtlinge gestaltet sich schwierig

Enzkreis. Der Enzkreis weiß angesichts der sprunghaft steigenden Zahl von Flüchtlingen nicht, wo er die Menschen unterbringen soll. Allein in diesem Jahr müssen die Verantwortlichen im Landratsamt 480 Menschen aus verschiedenen Nationen aufnehmen (wir berichteten). 160 Flüchtlinge wurden bereits untergebracht, für weitere 320 Personen stehen bisher nur 70 Plätze zur Verfügung. In der Not hat Landrat Karl Röckinger an die Kommunen appelliert, bei der Suche nach geeignetem Wohnraum mitzuhelfen. Und dieser Hilferuf, der in ähnlicher Form bereits im vergangenen Jahr erfolgte, wird in den Rathäusern der Region auch gehört. Doch gerade die Kommunen, in denen bisher noch nicht so viele Flüchtlinge untergekommen sind, tun sich mit dem Wunsch des Kreises nach schneller Abhilfe schwer. Sie wissen spontan meist nicht, wo sie weitere Flüchtlinge einquartieren können.

„Wir haben keine Patentlösung und müssen das im Gemeinderat diskutieren“, sagt der Ötisheimer Bürgermeister Werner Henle, in dessen Gemeinde aktuell sechs Flüchtlinge untergebracht sind (siehe Infokasten). Ein bis zwei Personen könne man auf die Schnelle vielleicht noch aufnehmen, so Henle. Mehr ist in Ötisheim jedoch erst einmal nicht drin. Eine Patentlösung habe er auch deshalb nicht parat, weil man bei der Suche nach einem geeigneten Platz für Flüchtlinge auch die Befindlichkeiten der Bevölkerung berücksichtigen müsse. „Bei Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien sagt keiner Nein“, betont Henle. Fakt sei jedoch auch, dass die abgelehnten Asylbewerber, die geduldet würden und die man eigentlich zurückschicken müsste, für Verdruss sorgten. In Sternenfels leben aktuell noch weniger Flüchtlinge als in Ötisheim. Dass hinter den nackten Zahlen Schicksale von Menschen stehen, macht Norman Tank, Hauptamtsleiter in Sternenfels, klar: „Bei uns leben zurzeit nur vier Flüchtlinge, weil erst im Februar in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine vierköpfige Familie aus dem Kosovo abgeschoben wurde.“ Insofern stehe derzeit Wohnraum für eine fünfköpfige Familie zur Verfügung, weiterer Platz sei jedoch nicht vorhanden. „Wir müssen schauen, was auf dem privaten Wohnungsmarkt geht, vielleicht können wir hier vermitteln.“ Eine schnelle Lösung des Wohnraum-Problems scheint es nicht zu geben, gleichzeitig rechnen die Verantwortlichen im Landratsamt mit „längerfristig“ hohen Flüchtlingszahlen. Was sich noch verschärfend auswirken wird: Ab 2016 steht Asylbewerbern mehr Wohnfläche zu. Trotzdem denkt man im Landratsamt nicht über eine zentrale Unterkunft, in der mehrere Hundert Flüchtlinge wohnen könnten, nach. „Diese Lösung sehe ich bei uns im Kreis nicht“, betont Vize-Landrat Wolfgang Herz. Der Enzkreis bevorzuge eine dezentrale Unterbringung in den Kommunen, was auch den Zielvorstellungen des Landes entspreche. „Wenn ich mit fünf Flüchtlingen pro Tausend Einwohner rechne, dann wären wir schon sehr weit“, sagt Herz mit Blick auf die Verteilung der Menschen auf die Kommunen. Dass es nicht in jedem Ort die gleichen Kapazitäten geben wird, sei klar. „Ich bin optimistisch, dass wir das Problem lösen können.“

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