Windelwechsel an der Autobahn-Raststätte

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Neben der Fernstraße herrscht ein buntes Treiben – Gelegenheit für einen Imbiss, einen Kaffee oder einfach eine Fahrpause

Pforzheim. So ähnlich muss es sein, wenn das Kamel durchs Nadelöhr passen will. Passen muss. Das Kamel hat in diesem Fall mindestens zehn Räder und einen blechernen Höcker. Und das Öhr, das ist die Zufahrt zur Raststätte Pforzheim. Da kommt das Lkw-Kamel nämlich fast nicht durch, weil es Gegenverkehr hat. Mit ein bisschen Hin und Her der Servolenkung und ein Ausweichen an den Rand seitens der Autofahrer geht es dann doch. Die lassen den Lastwagenchauffeur schließlich vorbei, damit er das letzte Stück über die Brücke bis zu seiner wohlverdienten und bei 35 Grad Celsius Außentemperatur wohl nötigen Pause auch noch schafft. Keiner hat gehupt, die mürrischen Gesichter sprechen allerdings für sich.

Immer flexibel bleiben lautet das Motto der Familie Schweig aus Saarbrücken. Zur Not wird das Baby eben auch neben der Zapfsäule gewickelt, während das Familienoberhaupt die Tankrechnung begleicht. Foto: Roth

Immer flexibel bleiben lautet das Motto der Familie Schweig aus Saarbrücken. Zur Not wird das Baby eben auch neben der Zapfsäule gewickelt, während das Familienoberhaupt die Tankrechnung begleicht. Foto: Roth

Das Abenteuer fängt in der Tat schon an, wenn man die Autobahn Richtung Stuttgart fährt und auf dem Hügel raus zur Pinkelpause oder zum Essenfassen will, denn hier gibt es ausnahmsweise nur auf einer Seite eine Raststätte, und da müssen alle hin, die anhalten wollen oder müssen – die einen über besagte Brücke, die anderen Richtung Karlsruhe auf direkter Abbiegespur. Wie auch Familie Wagner aus Tuttlingen, die aus Angst vor Einbrechern ihren richtigen Namen nicht sagen will. Mama, Papa, Sohnemann, allesamt stehen sie im Schatten einer Birke und schauen, wie sich ihr Auto wenige Meter von ihnen entfernt, in der Hitze auftankt. „Ich wollte eigentlich nicht hier raus“, sagt Herr Wagner, „aber ich muss einfach alle zweieinhalb Stunden Pause machen, sonst wird das zu anstrengend.“ Begeistert ist er nicht von der Raststätte Pforzheim, und seine Frau sagt auch, warum: Eine Raststätte für beide Richtungen, „ist ja klar, dass es hier voll wird“. An der Tankstelle waren sie notgedrungen auch schon, da herrscht wenig Rücksichtnahme und es bilden sich lange Schlangen an den Zapfsäulen. Da können die Mitarbeiter des Serways-Betriebs nur hoffen, dass es nicht wieder einen Stromausfall wie kürzlich bei einem Unwetter am Wochenende gibt.

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