Werbung für den „Westbahnhof“
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Eine hochrangige Delegation preist die Vorzüge einer Bushaltestelle vor den Toren Maulbronns
Maulbronn. Kurios: Der kleine Haltepunkt Maulbronn-West wird wegen einer Busanbindung für kurze Zeit zum ganz großen Bahnhof. Gleich sieben zum Teil hochrangige Behörden- und Unternehmensvertreter haben am Freitag am Bahnhof Maulbronn-West die Vorzüge einer nicht mehr ganz neuen Bushaltestelle beschworen. „Vor gut einem Jahr ist es im Zuge der Neustrukturierung des Fahrplans gelungen, die entscheidenden Minuten herauszuholen, damit die Linie 735 Pforzheim-Maulbronn die 800 Meter bis zur Wendeschleife am Bahnhof Maulbronn-West zurücklegen kann“, eröffnete Wolfgang Herz, Vize-Landrat des Enzkreises, die Pressekonferenz an der Bushaltestelle „Westbahnhof“.
Die Linie 735 hält direkt bei Maulbronn-West und stellt die Verbindung zu den meisten Zügen aus Pforzheim und Mühlacker her. Gestern fuhr ein „Show-Bus“ die Behörden- und Unternehmensvertreter zum Pressetermin.
Herz betonte, dass sich im Testbetrieb schnell gezeigt habe, dass das Angebot auf ein positives Echo stoße, so dass man sich nun entschlossen habe, aus dem Provisorium eine Dauereinrichtung zu machen. Der Vertreter aus dem Landratsamt ließ durchblicken, dass die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn bezüglich der Buswendeschleife zäh waren. Doch nach langem Hin und Her, bei dem es vor allem um Sicherheitsaspekte auf dem DB-Gelände gegangen war, konnte der Probebetrieb auf einer Schotterpiste beginnen. Mittlerweile wendet der Bus auf Asphalt, es gibt sogar eine leicht erhöhte Aufstellfläche für die Menschen, die dort umsteigen. Die Stadt Maulbronn finanzierte die Befestigung der Wendeschleife mit einem Betrag von rund 35000 Euro. Beim Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis (VPE) waren die Verantwortlichen überrascht, wie schnell sich die neue Haltestelle etablierte. „Fast in jedem Bus, der hier im Verlauf eines Tages hält, haben wir einen Fahrgast, manchmal sogar bis zu zehn Kunden. Rund 40 Fahrgäste nutzen das Angebot an einem Tag“, berichtete VPE-Geschäftsführer Axel Hofsäß von einem Projekt, das rein betriebswirtschaftlich ein Minusgeschäft sei, im größeren Zusammenhang jedoch als Angebot mit Mehrwert und Zukunftspotenzial gesehen werden könne. Besonders Schüler hätten für einen sprunghaften Anstieg der Fahrgastzahlen gesorgt, ergänzte Sandra Schönherr vom RVS Regionalbusverkehr Südwest, die den Probebetrieb gemanagt hatte. Die Busse steuern Maulbronn-West im Stundentakt täglich zwischen 7 und 20 Uhr an. Diejenigen Stimmen aus Maulbronn, die eine Ausweitung des Angebots zu später Stunde fordern, muss der Bürgermeister der Klosterstadt aufgrund des geringen Nutzerpotenzials enttäuschen. Es gebe eine Grenze, über die hinaus das Ganze nicht mehr funktioniere, sagte Andreas Felchle, der gestern nicht müde wurde zu betonen, dass Maulbronn-West durch die direkte Busanbindung jetzt ein „vollwertiger Bahnhof“ sei. Der Bus habe im Gegensatz zu dem von der Bürgerinitiative geforderten Zug in die Innenstadt Maulbronns den Vorteil, dass er verschiedene Gebiete in der Stadt ansteuere und sogar Zaiserweiher und Schmie bediene. Der Schultes pries den „ÖPNV auf der Straße“ als die bessere Lösung und stellte einen weiteren Ausbau der Infrastruktur an der Buswendeschleife in Aussicht. Wenn dies tatsächlich so komme, dann werde eine Reaktivierung des Stichgleises, wie es sich die Bürgerinitiative wünsche, allerdings immer unwahrscheinlicher. Das Anruf-Sammeltaxi (AST) bleibe trotz des Busverkehrs in abgespeckter Form bestehen, verkündete Felchle nebenbei.
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