Wenn Wörter Brücken bauen
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Die Sprache der Waldenser ist keineswegs vergessen, davon zeugt eine Fachtagung in Serres, die auf großes Interesse stößt
Zuwanderung, kulturelle und sprachliche Unterschiede, die Notwendigkeit der Integration, aber auch der Wunsch, die eigenen Wurzeln zu bewahren: Auf Themen wie diese hat das 21. Jahrhundert keinen exklusiven Anspruch. Davon zeugt die Geschichte der Waldenser. Einen spannenden Teilaspekt beleuchtet eine Tagung am 15. September.
Johann Daniel Gille beschreibt gegenüber dem König das Dorfleben wie folgt: „Unser Dorf heißt Serres. Wir haben eine Kirche, das Pfarrhaus aber ist in Pinache. Wir haben einen Lehrer und eine Schule. Nur wenige Leute sprechen noch Patois. Die Einwohner sind alle Bauern. Sie fahren mit Pferden, Ochsen und Kühen. Arme gibt es wenige, aber auch keine Reiche. Wir bauen Frucht, Klee und viel Obst. Wir genießen viel Milch und Most, wenig Wein. Es gibt im Dorf nur eine Wirtschaft. Die Leute gehen selten ins Wirtshaus. Sind die Häuser groß? Nein, sie sind klein, aber sauber. Hinter den Häusern sind schöne Gärten. Es gefällt uns wohl im Lande, wir sind zufrieden, danken Gott und ehren den König.“ Foto: privat
Wiernsheim-Serres. Die Zeitmaschine katapultiert den Enzkreis-Bewohner gut drei Jahrhunderte zurück in die Vergangenheit. Er landet um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert im damaligen Oberamt Maulbronn und trifft auf seine Vorfahren. Werden sich der Reisende und seine Ahnen verständigen können? Eine hypothetische Frage, auf die nur im Spielfilm eine Antwort zu erwarten wäre. Der Schwabe mag weiter spekulieren, der Nachfahre waldensischer Zuwanderer könnte indes einer Antwort und damit den eigenen Wurzeln ein Stück weit näher kommen – mit der Hilfe von Experten, die „Das waldensische Patouà in Baden-Württemberg, seine Bewahrung und Weiterentwicklung im Piemont“ in den Mittelpunkt rücken. Im Vorfeld des Waldensertags, der am Sonntag, 16. September, von 9.15 Uhr an in der Waldenserhalle Pinache mit Vorträgen, Begegnungen, Besichtigungsmöglichkeiten und weit gereisten Gästen aufwartet, steht nur scheinbar ein Spezialaspekt im Fokus. Tatsächlich wird mit der Umgangssprache der Waldenser ein ganz entscheidender Bereich ihres Lebens allgemeinverständlich erörtert.
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