Weil er’s kann

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Die einfache Erklärung scheidet aus. Die Autorin dieser Zeilen hat definitiv keinen Kater, der ihr Wahrnehmungsvermögen am frühen Morgen beeinträchtigen würde. Aber sie sieht einen Kater, und zwar dort, wo er auf gar keinen Fall hingehört. Ein paar Momente vorher wurde sie von ihrem Wecker aus traumlosem Schlaf gerissen – oder war es gar nicht der Wecker? Jedenfalls ist das Miauen nicht zu überhören. Entrüstet klingt es, und in der dissonanten Melodie schwingt ein Vorwurf mit: Wo bleibt mein Frühstücksservice?

Der vierbeinige Mitbewohner, der am Abend zuvor den ihm angebotenen Platz auf weicher Decke abgelehnt und die Gefahren eines nächtlichen Ausflugs vorgezogen hat, wird wohl an der Haustür einen Stock tiefer sitzen und lauthals Einlass begehren, denkt das Katzenpersonal. Allerdings wird das Rufen schon im Flur lauter. Verwirrt schweift der Blick umher und bleibt letztlich ungläubig an den Oberlichtern hängen. Von außen, auf dem Dach sitzend, schaut der Kater herein und verlangt das sofortige Öffnen des Fensters. Um den Befehl befolgen zu können, braucht es eine Trittleiter, dann muss das Personal auf einen Schrank klettern. Das alles im Halbschlaf und mit der Frage im Kopf, wie das Wundertier überhaupt an die Scheibe hat gelangen können. Das Dach endet zur Südseite hin gut vier Meter über dem Boden, und im Norden wächst zwar ein Kirschenbaum, aber kann der Minitiger wirklich von unzuverlässig dünnen Ästen aus eine etwa eineinhalb Meter große Lücke und einen ebensolchen Höhenunterschied überspringen?

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