Wehmütiger Blick
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Knittlingen = Faust = Goethe? Beim Blick in die Historie ergibt sich auch eine zweite Gleichung.
Knittlingen. Die Stadt Weimar rühmt sich der beiden Dichterfürsten Goethe und Schiller. Zumindest indirekt sind beide auch mit Knittlingen verknüpft – Goethe, weil er sich vom Knittlinger Faust zu Weltliteratur hat inspirieren lassen, und Schiller, weil die Stadt in seiner Biografie einen Wendepunkt markiert.
Die Gedenktafel am Platz oberhalb der Knittlinger Beethovenstraße. Foto: Becker
September 1782: Der schreibende Regimentsarzt, der mit den „Räubern“ bereits gezeigt hat, wozu er fähig ist, liegt seit längerer Zeit mit Herzog Karl Eugen von Württemberg im Clinch. Der Konflikt zwischen Landesherr und Autor spitzt sich zu, als dem Herzog berichtet wird, Schiller habe in den „Räubern“ die Schweiz verunglimpft. Abgesehen von medizinischen Themen müsse mit der Schreiberei Schluss sein, lautet die unmissverständliche Maßgabe, und Schiller wird Festungshaft angedroht. Der damals 22-Jährige entschließt sich zur Flucht aus Stuttgart. Der Herzog ist in der Nacht vom 22. auf den 23. September abgelenkt, denn zu Ehren des russischen Großfürsten Paul, des späteren Zaren, und seiner Frau, einer Nichte Carl Eugens, findet ein großes Fest statt. Unbemerkt entkommen während dieser Zeit Schiller und sein Freund Andreas Streicher. Das erste Ziel heißt Baden, damals Ausland, und die Grenze ist in Knittlingen beinahe erreicht. „Als der junge Dichter nach Mannheim floh, nahm er, auf der Höhe des Wetterkreuzes angelangt, Abschied von seinem Heimatland, bevor er am Gleitsbrückle die Zollgrenze passierte, um dem Zugriff seines Herzogs in Stuttgart zu entgehen“, schildert der Knittlinger Ehrenbürger und Faust-Forscher Karl Weisert die Szene in seinem Heimatbuch „Knittlingen – Geschichte einer Stadt“.
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