Von armer Burg zum prächtigen Hof
Archiv
Sonngard Bodner erzählt als Mechthild von Dürrmenz vom Leben auf der Löffelstelz
Mühlacker. Sonngard Bodner liebt es, in die Geschichte ihrer Heimat einzutauchen und einem interessierten Publikum außergewöhnliche Persönlichkeiten, genauer: Frauenfiguren, vorzustellen. So hat sie vor einiger Zeit bei einer szenischen Führung durch Dürrmenz unter dem Titel „Weiberrevolte“ eine Frau gespielt, die sich gegen die Männerwelt auflehnte. Bereits seit fünf Jahren geleitet die in Mühlacker geborene und aufgewachsene Sonngard Bodner, die heute in Nußdorf wohnt, neugierige Besucher durch die Burg Löffelstelz, oft verkleidet als Figur aus der Zeit um 1200, also der Zeit, in der der neuere Teil der Burg gebaut wurde. Schon vorher, nämlich im elften Jahrhundert, hatte an dieser Stelle ein Gebäude gestanden, das aber abgebrochen worden sei, so Bodner, die in jungen Jahren von einer Tante, die Lehrerin in Lomersheim war, „mit dem heimatgeschichtlichen Virus angesteckt“ wurde und als Mitglied des Historisch-Archäologischen Vereins Mühlacker Texte für Aufführungen in der Enzberger Villa Rustica schrieb.
Sonngard Bodner als Mechthild von Dürrmenz vor der Burg Löffelstelz. Foto: Sadler
Seither schlüpfte sie immer wieder in verschiedene Rollen. Und am kommenden Sonntag, 25. Mai, kommt eine neue hinzu: Ab 15 Uhr spielt sie bei einer Burgführung erstmals „Mechthild von Dürrmenz“. Die von ihr Dargestellte lebte um 1450 als Hofjungfrau am Hofe der württembergischen Gräfin Mechthilde, einer bedeutenden kurpfälzischen Fürstin, die ihren herrschaftlichen Sitz in einen regelrechten „Musentempel“ verwandelt habe, so Sonngard Bodner. Bei der Führung am kommenden Sonntag sowie an den Sonntagen 22. Juni, 27. Juli, 24. August und 28. September erzählt Mechthild alias Sonngard vom Leben auf der Burg ihrer Vorfahren, der Herren von Dürrmenz, das recht bescheiden gewesen sei, wie die Expertin recherchiert hat. Die Ritter, die einst auf der Löffelstelz wohnten, hätten nämlich ein ziemlich armes Leben gefristet. Etliche ihrer Nachkommen sahen sich gezwungen, ihr Auskommen als Söldner im Ausland zu bestreiten. Vergleichsweise prächtig sei dagegen Mechthilds Leben am Hofe der Gräfin gewesen. Abgesehen vom glanzvollen Ambiente habe die Dürrmenzerin am Hof wohl auch ihren späteren Gatten Albrecht IV. Göler von Ravensburg kennengelernt. Die Eheschließung sei offenbar eine Liebesheirat gewesen; doch leider habe Mechthild ihrem Angetrauten nicht die erwünschten Söhne, sondern lediglich eine Tochter geboren. Getrennt habe sich das Paar dennoch nicht. Wobei vieles vom Leben Mechthilds im Dunkeln liege, da aus dem Mittelalter nur wenige Aufzeichnungen über die Vita von Frauen existierten.
Wir freuen uns, dass Sie sich für
einen Artikel interessieren.
Jetzt registrieren und weiterlesen.
- ➔ Alle Webseiteninhalte
-
➔ Inklusive aller
Artikel
- ➔ Jederzeit kündbar
Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen