Von Schniefnasen und Dauerhustern

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Typisch, typisch ... Jenny Joy Schumann über gängige Klischees aus heimischen Gefilden – Heute: im Wartezimmer

Es ist wieder so weit: Morgens tut er sich auf, der Vorhof zur Hölle – in grelles Neonlicht getaucht und gespickt mit Bakterien, Viren und deren Wirten, die die Erreger eruptionsartig und lautstark in alle Richtungen verteilen. Dagegen sollte man gut gewappnet sein, und genau deshalb bin ich hier, im Wartezimmer des Arztes, denn ich möchte zu Beginn der Grippesaison meine Impfung auffrischen lassen.

Von Schniefnasen und Dauerhustern

Noch gesund.

Eigentlich geht es mir ja gut, sichtbar besser als dem Herrn, der mir gegenübersitzt. Bereits als ich das Wartezimmer betrat, hat er einen tosenden Hustenanfall hingelegt, sich nach vorne gebeugt und die Gesichtsfarbe gewechselt. Und er hat mir damit signalisiert, mich besser nicht neben ihn zu setzen. Die maximale Entfernung zur offensichtlichen Gefahrenquelle war die gegenüberliegende Sitzreihe. Und da sitze ich nun und schaue mir meine vorübergehenden Zimmergenossen an. Einige sind offensichtlich krank. Für diese Feststellung braucht man kein Mediziner zu sein. Andere wiederum sehen gut aus, aber auch sie werden ein Anliegen haben, sonst würden sie sich nicht hier eingefunden haben. Vielleicht sind sie wegen einer Vorsorgeuntersuchung hier oder einer Impfung? Nun, ich wüsste das schon gerne, aber man fragt ja nicht. Überhaupt herrscht Schweigen im Wartezimmer, sofern es nicht durch Husten und Schniefen und Naseputzen unterbrochen wird.

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