Von Entrückten und Entzückten
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Reportagen rund um die Uhr: Dienstag, 16.30 Uhr, hinter der Historischen Kelter in Mühlacker
Sein Name allein bedeutet für die Beobachterin eine Herausforderung. Die dem Alkohol in jeglicher Form Abgeneigte traut sich dennoch, eine Stunde in Gegenwart des Weinhurglers hinter der Kelter zu verbringen. Das Protokoll einer Konfrontationstherapie.
Zeigt her eure Füße: Der Weinhurgler hinter Kelter und Stadtbibliothek scheut sich nicht, dem Betrachter seine nackten Zehen entgegenzustrecken.
Mühlacker. An diesem Dienstagnachmittag um 16.30 Uhr kommt zusammen, was nicht zusammengehört. Die Beobachterin mit Stift, Papier und Kamera in der Tasche und der Beobachtete mit der Quelle seiner Trunkenheit in der Hand und dem silbernen Blick des Entrückten auf dem in den Himmel gerichteten Gesicht. Sein Schöpfer, der Künstler Wilhelm Hager, hat den in Bronze Gegossenen auf einen Sockel gesetzt, und unsichtbare Seile halten den Haltlosen, fangen seinen Fall ins Vergessen sanft und gnädig auf. Keck schaut seine Nase in den Mühlacker Himmel, frech weisen drei widerspenstige Haarsträhnen in Richtung der Stadtbibliothek, in deren Rücken sich der Weinhurgler seinen Tagträumen hingibt. Die nackten Zehen scheinen ein Gegenüber anstupsen zu wollen und reizen ihrerseits dazu, mit Händen aus Fleisch und Blut das Leben im gar nicht leblosen Metall zu ertasten. Doch gestört wird der Bronze-Mann nur von echten Kennern der Stadt, die diesen ebenso idyllischen wie versteckten Platz entweder von der Ostseite der Historischen Kelter aus oder, den Biergarten einer Gaststätte durchquerend, ansteuern.
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