Vom Bösen und dem Zufall

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Erwin Pelzig gastiert in Pforzheim

Pforzheim (hb). Es sind schon sehr düstere Farben, in denen Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig die Welt pinselt. Und doch mischt sich hin und wieder eine Spur säuerlicher Optimismus in seinen Defätismus: „Warum sich jetzt bereits aufhängen, wenn es im nächsten Jahr viel bessere Gründe dafür gibt“, philosophierte der Politologe, Geschichtswissenschaftler und Ethnologe. Barwasser trat im Kongresszentrum mit „Pelzig stellt sich“ auf. Er stellt sich mit seiner Kunstfigur Erwin Pelzig im Wesentlichen der Wirklichkeit, oder noch besser, wie Pelzig zuspitzte, der Wahrheit. „Aber kann ich die wirklich erkennen, da ich doch selbst erfunden bin?“, blickte Pelzig selbstkritisch in den Spiegel.

Pelzig.

Pelzig. Foto: Wacker

Dieser vermeintlichen Wahrheit tritt er mit Cord-Hüdli, Herrenhandtasche und kleinkariertem Hemd entgegen. Mit dieser kleinbürgerlich-spießigen Staffage kontrastiert er kongenial seine betont linkskritische Sicht auf die Welt. Denn die Bösen sind in seiner scharfsinnigen kabarettistischen Analyse schnell ausgemacht: Es sind vor allem die Banker, die Finanzhaie und Geldschieber dieser Welt. Wer hat wirklich die Macht?, fragte Pelzig. Wirklich die Politik oder doch vielmehr die Banken? Dabei lässt er auch an den Politikern kein gutes Haar. Vor allem Ursula von der Leyen, die „Flinten-Uschi“, entwickelte sich zur Lieblingszielscheibe seines Spotts: „Krabbelgruppen auf dem Truppenübungsplatz, bringt uns das weiter?“, krittelte er. Doch Pelzig hat eine Remedur für all das Böse, und die heißt Zufall. „Brauchen wir wirklich das ganze Demokratie-Gedöns?“, fragte Pelzig. Ergo: Warum nicht den Bundespräsidenten losen? Pelzig eilte zu einer Lostrommel, drehte an der Kurbel und zog eine der Nummern, die die Gäste beim Kauf der Eintrittskarte erhalten hatten. Er hoffe auf eine Frau, „von einer Frau lasse ich mich lieber verarschen“. Mit Johann Müller wurde es ein Mann. Aber auch die Frauen und den Feminismus stellte Pelzig in Frage. Dennoch: Eine Umfrage im Publikum ergab, dass rund ein Viertel der Gäste glaubt, dass mit mehr Weiblichkeit an der Macht die Welt eine bessere wäre. Rund die Hälfte aber meint, es bliebe alles beim Alten.

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