„Verstaubtes Image aufpoliert“
Archiv
Der Südschwarzwälder Sebastian Wehrle stellt in Pforzheim seine „Schwarzwaldmaidli“ an drei Orten aus
Pforzheim. Bleibt abzuwarten, ob der Aufschrei im Nordschwarzwald auch so groß wird wie im Süden: Dort hat der Fotograf Sebastian Wehrle vor geraumer Zeit einen Sturm der Entrüstung entfacht, als er seine modern interpretierten Fotografien mit Menschen in Trachten zeigte. Zumindest verwundert mag der ein oder andere nun auch in Pforzheim sein angesichts einer bis ans Kinn tätowierten Frau, die mit stolzem Blick ihre illustrierte Haut und sicher auch die Tracht zu Markte trägt. Oder angesichts eines anderen Models, das einen Nasenring trägt. Natürlich hat der Fotograf, der in der Nähe von Freiburg wohnt, auch Männer in Trachten fotografiert. Mit äußerst gepflegten Bärten, mit gezupften Augenbrauen schaut etwa auch der Mister Baden-Württemberg des Jahres 2014 aus der Trachten-Wäsche. „Ich will einen gut aussehenden Mann“, habe er zu seinem weiblichen Team gesagt. Den hat er bekommen.
Sebastian Wehrle zeigt noch bis zum 3.November in den Vitrinen des Goldstadtbüros in der Östlichen, in den Fenstern von Kaufhof Galeria und in der Tourist-Info am Schlossberg seine Aufnahmen seiner „Schwarzwaldmaidli“ in der Kunstreihe „Facing Tradition“. Tradition gegenüber Moderne könnte man das übersetzen. Nach dem Entsetzen einiger Trachtenträger kam die Begeisterungswelle. Seitdem kann sich Sebastian Wehrle kaum noch retten vor Anfragen, bekommt Trachten auch angeboten zum Fotografieren. Dabei hat der gelernte Kachelofenbauer, der in Simonswald aufgewachsen ist und als Bub selbst eine Tracht getragen hat, eigentlich nur mal ein bisschen experimentiert. Mit der Tracht von der Oma seiner Freundin. Und das sah dann richtig gut aus. Mit modernen und dank einer guten Visagistin hervorragend in Szenen gesetzten Gesichtern und einer Art zu fotografieren, die das Ergebnis wie auf Leinwand gemalt aussehen lässt hat er „Tradition und Geschichte in die heutige Zeit übersetzt“, wie Goldstadtkoordinator Gerhard Baral findet. Und ganz nebenbei habe der Künstler „das verstaubte Image aufpoliert“.
Wir freuen uns, dass Sie sich für
einen Artikel interessieren.
Jetzt registrieren und weiterlesen.
- ➔ Alle Webseiteninhalte
-
➔ Inklusive aller
Artikel
- ➔ Jederzeit kündbar
Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen