Tote Stadt in Zeichnungen verewigt
Archiv
Bilder von Werner Carl Burger und Oskar Elsässer hängen bis zum 9. März in der Stadtbibliothek
Pforzheim. Nicht zum ersten Mal sind die Zeichnungen zu sehen, aber die Stadt ist der Meinung, dass man sie nicht oft genug zeigen kann und um den Gedenktag der Zerstörung Pforzheims am 23. Februar 1945 durch den Luftangriff der Alliierten herum erst recht. „Die tote Stadt“ – dieser Titel trifft auf den Punkt, was bis zum 9. März zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek an den Stellwänden hängt.
Oskar Elsässer hat damals den Auftrag vom Landesdenkmalamt erhalten, die Zerstörung Pforzheims mit Zeichnungen zu dokumentieren. Das Bild zeigt den Wartberg.
Von den beiden Zeichnern ist Werner Carl Burger der gebürtige Pforzheimer (Jahrgang 1926) – er lebt heute in den USA und hat die Bilder erst 60 Jahre nach dem Angriff gezeichnet. Oskar Elsässer ist 1885 im Allgäu zur Welt gekommen und wurde sozusagen Pforzheimer – unter anderem war er ab 1911 Zeichenlehrer an der Goldschmiedeschule und später Denkmalpfleger. Vom Landesdenkmalamt bekam er 1946 den Auftrag, mit 48 Zeichnungen das zerstörte Pforzheim zu dokumentieren. Er ist 1965 in Pforzheim gestorben. Doch sein Sohn Bernhard Elsässer, Jahrgang 1929, kommt am Dienstagabend zu der Vernissage in die Stadtbibliothek. Und er berichtet auf Nachfrage auch von seinem Vater – „Ich habe kein Motiv, das mir besonders am Herzen liegt, ich bin ja mit den Bildern aufgewachsen“ – und wie er damals die „Bombennacht“ als „fast 16-Jähriger“ erlebt hat. Nicht direkt, wie er erzählt. Er sei in Niefern bei der Wehrertüchtigung gewesen. „Wir hatten zu der Zeit schon einiges hinter uns. Jedes Mal, wenn die Bomben über unseren Köpfen pfiffen, warfen wir uns auf den Boden.“ Doch ihnen sei in jener Nacht erlaubt worden, in ihre Stadt zu gehen, und so sei er durch Pforzheim noch in der Nacht „hindurchgestolpert“. Das Elternhaus in der Schwarzwaldstraße stand noch, unter den etwa 18000 Toten, die nach 22 Minuten Angriff zu beklagen waren, war niemand von seiner Familie. „Aber mein Bruder ist im Krieg gefallen.“ Hernach habe er seinen ehemaligen Cellolehrer identifiziert, den man unter Trümmern fand, und ihm einen Zettel mit dem Namen um den Hals gehängt. „Damit man weiß, wer es ist.“
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