Thema Kulturhauptstadt ist erledigt
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Wegen neuer Rahmenbedingungen: Pforzheimer Gemeinderat stimmt gegen Bewerbung
Pforzheim. Im Juli hatte der Pforzheimer Gemeinderat noch mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Stadt die Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ fortsetzen soll. Nun ist das Thema allerdings endgültig vom Tisch. Nachdem sich Anfang Oktober aus finanzieller Hinsicht die Rahmenbedingungen geändert hatten, erkundigte sich Oberbürgermeister Peter Boch in der Gremiumssitzung am Dienstag nach dem Stimmungsbild in den Fraktionen. Das Ergebnis: Nur noch neun Räte sprachen sich für weitere Bemühungen um den Titel aus, 23 waren dagegen, ein Gemeineratsmitglied enthielt sich. Er sehe damit keine breite Mehrheit mehr für eine Bewerbung zur Kulturhauptstadt, zog Boch sein Resümee aus dem Ergebnis.
Rückblick: Im Juli hatte der Oberbürgermeister den Gedankenspielen um die Bewerbung aus finanziellen Gründen zunächst eine Absage erteilt. Daraufhin präsentierte Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler, die auch am Dienstag im Gemeinderat noch einmal für den Mut warb, „uns auf etwas einzulassen und uns zu entwickeln“, eine andere Variante. Ihre Idee war, die Region Nordschwarzwald und die Nachbarkreise Calw, Freudenstadt und den Enzkreis mit einzubeziehen und damit auch an den Kosten zu beteiligen. Als Gesamtsumme errechnete sie für das Unternehmen Kulturhauptstadt insgesamt 40 Millionen Euro, wobei zehn Millionen aus EU-Mitteln, zehn aus Fördertöpfen des Bundes und weitere zehn als Zuschuss des Landes fließen könnten. Blieben – nach dem Plan der Bürgermeisterin – für die Landkreise, die Region Nordschwarzwald und die Stadt Pforzheim also jeweils Beiträge von zwei Millionen Euro übrig. Dieser Ansatz sorgte bei den hiesigen Kreisräten für Entrüstung. Der Tenor: Wer den Landkreis mit ins Boot holen wolle, müsse gefälligst vorher offiziell anfragen. Doch dann meldete sich Brauhaus- und Parkhotelchef Wolfgang Scheidtweiler zu Wort, indem er ein Kulturspektakel ohne einen Kostenaufwand für die Stadt in Aussicht stellte. Er wisse durchaus, dass die Stadt kein Geld für ein solches Projekt übrig habe, weshalb sich ein Kreis von Bürgern und Unternehmern dazu bereit erklärt hatte, das Vorhaben privatwirtschaftlich zu unterstützen. Anfang Oktober besuchte dann Dr. Ulrich Fuchs, Vorsitzender der Jury zur Auswahl europäischer Kulturhauptstädte, Pforzheim und erteilte dem Ansinnen, das Projekt ganz über Sponsorengelder zu finanzieren, eine Absage. Denn diese dürften nach den Vorgaben nur einen ergänzenden Kostenanteil decken.
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