Star-Gäste
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Auch im Homeoffice kann man einem Schwarm begegnen.
Ein Star in glitzernder Robe stolziert nicht alle Tage vor dem Fenster auf und ab. Sicher, wer für die Zeitung arbeitet, trifft mitunter Prominente, unter denen auch schillernde Zeitgenossen wie der Modeschöpfer Harald Glööckler sein können. Das Weiß seiner Zähne glänzt, das Schwarz der Haare ebenso. Doch kann er konkurrieren gegen die Armada von Kollegen, für die an diesem Nachmittag der Rasen vor dem Homeoffice zur Bühne geworden ist? Nein, lautet die Antwort, denn hier ist nicht ein Star zu sehen, nicht zwei, nicht drei. Einige Hundert mögen es sein, die im Gegensatz zum Designer nicht andere zum Schwärmen bringen, sondern es selbst tun.
Ja, ein ganzer Schwarm Stare fällt ein. Unerwartet, plötzlich, in einer Geschwindigkeit, die kein Kameraauslöser mitgehen kann. Von einem Moment auf den anderen ist der Rasen, der nach monatelanger Dürre den Namen nicht mehr verdient, von gefiederten Wesen übersät, die wild pickend, wachsam um sich schauend zum Mittagessen schreiten. Es hat etwas Magisches an sich, denn die Tiere mit den silbrig schimmernden Punkten folgen einer geheimen Choreografie. Eingeflogen sind sie in kleineren Gruppen. Doch als sie, in Alarmstimmung versetzt durch was auch immer, die Bildfläche wieder verlassen, geschieht das wie auf ein geheimes Kommando hin. Hunderte Flügel beginnen gleichzeitig zu schlagen, und es entsteht ein Geräusch, als hätte man eben den Motor des Rasenmähers angeworfen. Die Flügel malen eine grauschwarze Acht in den Himmel, verschwimmen zu einer Vogelwolke, wabern über die Dächer der Nachbarhäuser. Und dann folgt offenbar das nächste Kommando, das besagt: zurück vors Homeoffice-Fenster!
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