Spielball der Interessen
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Theater im Uhlandbau entwirft neue Perspektive auf Martin Luther
Manipulation, Machtspiele und Rendite: Die Schauspieler Carsten Klemm, Benjamin Kernen und Klaus Nierhoff stimmen das Publikum mit ihrem Stück nachdenklich. Foto: Zschorsch
Mühlacker (pm). Passend zum Abschluss des Reformationsjahrs hat die Volkshochschule Mühlacker im Uhlandbau ein besonderes Stück auf die Bühne geholt. Mit dem Schauspiel „Martin Luther&Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung“ von Dieter Forte wird alles auf den Kopf gestellt, was bislang über Luther gelehrt wurde. Die Reformation war weniger eine theologische als eine machtpolitische Auseinandersetzung und Luther kein reiner Kirchenkritiker, sondern Spielball des Kaisers, der Kurfürsten und des Papstes. Diesen Schluss lässt zumindest Fortes Theaterstück zu. Denn Luther war auf einflussreiche Unterstützer angewiesen, um seine Auseinandersetzung mit dem Papst unbeschadet zu überstehen und seine Thesen unters Volk bringen zu können. Am Ende ging es den Mächtigen, die schützend ihre Hand über den Prediger hielten, nur um eine möglichst hohe Rendite des eigenen finanziellen Einsatzes. Damit war Luther in mehrfacher Hinsicht Mittel zum Zweck. Forte vermischt in seinem Drama Originaltexte mit fiktiven Passagen, die in authentischen Szenen und Situationen auf der Bühne dargeboten werden. Die Dialoge sind jedoch in moderner Sprache gehalten und erlaubten es den Besuchern, den raschen Szenewechseln zu folgen. Im Uhlandbau wurde die historische Rolle des großen Reformators Luther unter den Aspekten von Herrschaftsstruktur, Manipulation und Machtmissbrauch beleuchtet. Heraus kam ein aktuelles Porträt der Reformationszeit, deren Mechanismen erschreckend an unsere Gegenwart erinnern.
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