Sommerboten auf dem Rückzug

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Der Bestand der Rauchschwalben ist im Enzkreis und bundesweit stark zurückgegangen

Enzkreis. Ein Sommer ohne Rauchschwalben, das hätte sich vor einigen Jahrzehnten im Enzkreis niemand vorstellen können. Heute ist es teilweise soweit. „Wir haben im Enzkreis Gemeinden, die nahezu komplett frei von Rauchschwalben sind“, berichtet der Vorsitzende der Mühlacker BUND-Gruppe, Thomas Köberle. Einer der wesentlichen Gründe für den Rückgang des Sommerboten ist Wohnungsmangel. Die Kulturfolger bauen ihre Nester fast ausschließlich in überdachten Innenräume. Scheunen, überdachte, offene Hofeinfahrten und Kuhställe sind solche Orte. „Durch den Rückgang der Viehhaltung haben die Vögel viele ihrer Nistmöglichkeiten verloren“, erklärt die Geschäftsführerin der BUND-Regionalgeschäftsstelle Nordschwarzwald, Regine Einfeld. Der Rückgang ihrer Nahrung durch den Einsatz von Insektenvernichtungsmittel und die Probleme, in einer zunehmend versiegelten Landschaft Lehm als Baustoff für ihre Nester zu finden, sind weitere Ursachen für den Rückzug der Schwalben.

Hungriger Nachwuchs.

Hungriger Nachwuchs. Foto: Lechner

Etwa um die Hälfte, schätzen Ornithologen, ist der Bestand der Vögel bundesweit zurückgegangen. Auf regionaler Ebene sieht es sicher nicht besser aus. Aber es gibt auch Hoffnung. Die zunehmende Pferdehaltung im Enzkreis bietet den Luftakrobaten neue Nistmöglichkeiten. „Die steigende Zahl der offenen Pferdeställe hat den Rückgang der Rauchschwalben wohl abgebremst, der Bestand hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert“, schätzt Thomas Köberle die Situation ein. Auch den kleineren Vettern der Rauchschwalben, den Mehlschwalben, geht es nicht wirklich gut. Da sie aber für ihre Nester keine geschlossenen Räume benötigen, sondern nur Hauswände mit überstehenden Dachtraufen, sind sie im Enzkreis deutlich häufiger als ihre Verwandten. Noch muss man sagen, denn auch ihre Bestände befinden sich seit Jahrzehnten im Rückgang. Zum einen werden sie von vielen Hausbesitzern als Untermieter nicht mehr geduldet, zum anderen haben neue Häuser oft nicht mehr die weit überstehenden Dächer, die Mehlschwalben als Schutz für ihre Lehmnester mögen. „Dazu kommt, dass durch die Dämmung der Hausfassaden viele Schwalbennester verloren gehen“, sagt Köberle.

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