Silvester neu erfinden
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Jahreswechsel: Gedanken von Pfarrer Jürgen Götze aus Ölbronn
Wie empfangen Sie das neue Jahr 2014? Ich meine, böllern Sie? Schießen Sie Raketen? Lassen Sie die Sektflasche kreisen, schütteln Hände und umarmen sich? Hängen Sie am Handy und wünschen Ihren Lieben ein gutes neues Jahr? Was man eben so macht um 24 Uhr in der Silvesternacht. Es ist ja leider immer ein bisschen stressig, weil man Schlag Mitternacht alles zugleich machen will. Deshalb könnte es sich lohnen, einmal über Alternativen nachzudenken.
Mein Favorit ist die Wanderung auf einen erhöhten Punkt, etwas außerhalb, wo man sich das ganze Spektakel in Ruhe von oben anschauen kann. Ein wenig Abstand gewinnen, das gehört für mich zum Jahreswechsel dazu. Das alte Jahr loslassen und sich vorsichtig dem neuen und noch ganz fremden Jahr zuwenden. Wenn dann um Mitternacht die Glocken auf allen Kirchtürmen läuten, berührt mich das jedes Mal besonders. Es klingt festlich, feierlich, gewaltig. Für einen Augenblick trete ich heraus aus dem Fluss der Zeit. Jetzt, jetzt beginnt das neue Jahr 2014. Und dieser Schritt will bedacht sein. Was lasse ich hinter mir? Was möchte ich gerne zurücklassen? Was erwarte ich vom Jahr 2014? Was wünsche ich mir, dass es bringen soll? Manchmal habe ich mir meine Antworten auf diese Fragen sogar vorher aufgeschrieben – ins Tagebuch oder auf Zettel. Einmal haben wir im Freundeskreis irgendwo draußen ein Feuer gemacht und die Zettel dann dem Feuer anvertraut. Verbrannt, was verbrennen sollte, und die Wünsche aufsteigen lassen mit Flammen und Rauch. Manchmal habe ich ein Bild gemalt und darin ausgesprochen, was der Mund nicht sagen kann. Ein Wegweiser, Motto und Leitstern für die neue Zeit. Es lohnt sich, die Frage zu stellen: Was brauche ich für den Übergang von 2013 nach 2014? Brauche ich einen Moment der Stille, vielleicht sogar der Einsamkeit? Höre ich mir ein Musikstück an, das mir Ruhe schenkt? Traue ich mich, ins Nachdenken zu kommen über mich, die Zeit und die Welt, in der ich lebe? Dann spüre ich, dass ich lebendig bin, dass ich kein Rädchen bin im Lauf der Zeit. Dass jedes neue Jahr, jeder neue Tag, jeder neue Moment mit einer Entscheidung beginnt. Für was will ich leben? Wem gehört meine Zeit, meine Kraft, meine Hoffnung?
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