Schwester Cordula liebt Arztromane
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Im Nieferner „Kultur:Bahnhof“ wird das Publikum auf ungewöhnliche Art kuriert
Niefern-Öschelbronn. Von ihr würde man sich gern die Bettpfanne unterschieben lassen. Die Gefahr bestünde allerdings, dass die ganze Chose danebenginge. Denn bei „Schwester Cordula“ wird man vor Lachen gesund. Bestimmt. Sie bräuchte sich nur ans Krankenbett setzen und mit ihren großen, kugelrunden Augen und der lebhaften Mimik aus einem Arztroman zitieren. Schon wäre es um einen geschehen. Saskia Kästner sitzt zwar am Sonntagabend nicht am Krankenbett, sondern im „Kultur:Bahnhof“ Niefern, aber trotzdem sind die 80 Menschen im ausverkauften Saal ihre „lieben Patienten“. Und die werden im Lauf des Abends alle kuriert, keine Sorge. Unterstützt wird die Berliner Schauspielerin von ihrem „Langzeit-Zivi“ Dirk am Akkordeon. Natürlich auch standesgemäß ganz in Weiß und bei (OP-)Bedarf auch mit grüner Haube bedeckt.
Oh là là Schwester Cordula: Da bleibt kein Auge trocken, wenn die Berliner Schauspielerin einen Blick in Arztromane wirft.Foto: Roth
Sehr zum Vergnügen des Publikums entführt die dynamische Schwester Cordula mit ihrer mobilen Literatur-Seelsorge e.V. ihre Patienten in die „heile Welt“ der Kliniken, in denen noch Halbgötter in Weiß residieren. Und natürlich hat Oberarzt Jürgen Hartmann ein entzückendes Grübchen in der Wange, das immer dann zum Vorschein kommt, wenn er lächelt. Und das tut er. In der Kaffeeküche zum Beispiel, wo sich sein Herzschlag erhöht beim Anblick von Elke Maria Dahlberg, der Fachärztin für Kinderheilkunde. „Noch ein Kaffee?“, fragt er. „Ein Kaffee?“, wiederholt sie, und ein kaum wahrnehmbares Zittern läuft durch ihren Körper. (Alles natürlich gespielt und nachempfunden von Schwester Cordula.) Es kommt, wie es kommen muss: Sie gestehen sich ihre Liebe. „Ich liebe dich.“ Antwort: „Ich liebe dich.“ Und so weiter und so fort. Aber ein Arztroman wäre ja kein Arztroman, wenn nicht dunkle Wolken am makellosen (siebten) Himmel auftauchen würden. In Gestalt einer bildhübschen jungen Dame mit pfirsichfarbener Haut, goldblondem Haar und makelloser Figur. Als ob das nicht reichen würde, hat die Tochter – Judith, ausgesprochen: Jüdiet – des neuen Klinikchefs auch noch einen französischen Akzent. Das Herz von Oberarzt Jürgen Hartmann schlägt schneller. „Schon wieder? Das ist aber gar nicht gut auf Dauer.“
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