„Pfarrer müssen sich die Haxen ausreißen“
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Journalistin Britta Baas beleuchtet in einem Vortrag die Außenwirkung der Kirche und hat praktische Tipps parat
Wiernsheim-Pinache. „Kirche hat ein Imageproblem. Ungeachtet der Konfession“, erklärt Journalistin Britta Baas den rund 20 Zuhörern im Alten Schulhaus in Pinache. Ihr Auditorium besteht weitestgehend aus Besuchern gesetzteren Alters. Ein Großteil ist Mitglied des Arbeitskreises Erwachsenenbildung. Die übrigen acht Besucher wurden von der Leserinitiative des Magazins Publik-Forum angeworben. Dort arbeitet Baas als Redakteurin. Der ehrenamtliche Vorsitzende des evangelischen Bildungswerkes, Heinz Daferner, hatte sie um diesen Vortrag gebeten. „Wir wollten einen Dozenten von außen, um nicht in unserem eigenen Saft zu schmoren“, erklärt Daferner. „Einmal im Jahr widmen wir uns im Rahmen der Klausurtagung einem brisanten Thema“, fährt der Vorsitzende fort. „Kirche und Image – eine Außensicht“ ist in diesem Jahr das Thema.
Dass die Kirche ein Imageproblem hat, will hier niemand bestreiten. Bis zum Jahr 2030 prognostiziert das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland in Hannover einen Mitgliederschwund auf rund 17 Millionen. Auch die Einnahmen sollen gemäß deren Annahme drastisch sinken. „Allerdings ist dieser Imageverlust teilweise auch fremdbestimmt“, erläutert Baas. Viele Protestanten führten Fehler und Skandale der katholischen Kirche als Gründe für ihren Austritt auf. „Die evangelische Kirche wird mit der katholischen in einen Topf geworfen“, lautet ihre Erklärung. „Die evangelische Kirche kann nie wieder Volkskirche sein wie in den 50er und 60er Jahren“, sagt die Journalistin. In den Jahren des Wirtschaftswunders sei es gesellschaftlich angebracht gewesen, Mitglied der Kirche zu sein. Diese Situation habe sich komplett umgedreht. „Postmoderne Verwirrung“ nennt Baas das. Individualismus werde immer wichtiger. „Der Zahlenrückgang kann zwar nicht gestoppt werden, aber gebremst“, macht sie Hoffnung und hat ein paar praktische Lösungsansätze parat: „Wir brauchen eine Kirche, die stark auftritt und sagt, dass sie da ist“, so Baas. Umgekehrt: Eine Kirchengemeinde, die sich bei der Flüchtlingssituation nicht engagiere, mache etwas falsch. Auf die Publikumsfrage, ob sich die evangelische Kirche politisch einmischen soll, antwortet sie mit einem knappen „Ja“.
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