Osterweg wirft Lebensfragen auf
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Die evangelische Kirchengemeinde Knittlingen bietet ein ganz besonderes Erlebnis
Knittlingen. „Kennen Sie auch die Erfahrung vergeblicher Mühen?“ Das ist eine der vielen Fragen, die die Macher des Knittlinger Osterwegs ihren Besuchern stellen. Mit dem Finger darf derjenige, der die Passionsgeschichte „mit allen Sinnen erleben“ will, seine ganz persönliche Antwort in Sand schreiben, der in einer Box auf einem Tisch bereitsteht. Das in Buchstaben verwandelte Ohnmachtsgefühl ist so lange im Sand zu lesen, bis es von einem nachfolgenden Besucher überschrieben wird. „Manchmal brechen sehr existenzielle Erfahrungen auf, was dazu führt, dass der ein oder andere danach in die Seelsorge kommt“, sagt der Knittlinger Pfarrer Hans Veit, der vor sechs Jahren die Idee zum Osterweg hatte. „Es geht darum, die Passionsgeschichte einmal anders zu erleben“, beschreibt er seinen Ansatz, der bei vielen Menschen offenbar einen Nerv trifft. 2500 Gäste konnte die Kirchengemeinde im vergangenen Jahr innerhalb von zwei Wochen in Knittlingen begrüßen. „Die Menschen lassen sich gerne überraschen, reagieren sehr positiv auf unser Angebot und spüren auch, was dahintersteckt.“
Pfarrer Hans Veit an der siebten Station des Osterwegs: Hier können Besucher auf einem Papierschiff beispielsweise notieren, welchen Stürmen sie in ihrem Leben ausgesetzt sind. Foto: Disselhoff
Der aktuelle Osterweg, der 20 Stationen in und um die St.-Leonhardskirche-Kirche umfasst, fordert die Besucher aus der Perspektive des Jüngers Petrus unverbindlich zum Nachdenken über sich, ihr Leben und ihren Glauben auf. „Uns ist es wichtig, die Passionsgeschichte in die Lebenswirklichkeit der Menschen zu übersetzen“, betont Veit. Vergebung, Schuld oder die Frage nach dem wichtigen persönlichen Wegbegleiter werden angesprochen. Die zehnte Station beinhaltet ein Wagnis: Dort können sich die Besucher von einem Mitglied der Gemeinde die Füße waschen lassen. „Es gibt nur wenige, die das Angebot annehmen“, sagt Veit. Doch in Knittlingen herrscht kein Mitmach-Zwang, jeder darf den Osterweg, der noch bis Montag zu erleben ist, auf seine Art gehen. Werner Braun gehört zum an die 60 Köpfe zählenden Helferteam, das in Schichten für das Ostererlebnis im Einsatz ist. Gestern war er für die Verabschiedung der Besucher verantwortlich. Und für diejenigen, die noch kommen wollen, hat Braun einen Tipp parat: „Man sollte sich für die Verinnerlichung der Stationen Zeit nehmen.“
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