Motiv Spielsucht: Täter ist auch Opfer

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Pforzheim. Rund 700000 Euro hat der Finanzbuchhalter von den Konten seines Arbeitgebers für sich abgezweigt, um damit die Spielautomaten zu füttern. Dabei hat er nicht nur ein Vermögen, seinen Job und seine Ehe verspielt, sondern auch seine Freiheit. Das Schöffengericht verurteilte ihn gestern zu zwei Jahren und neun Monaten ohne Bewährung.

Gefährliches Spiel: Wer von den Automaten nicht lassen kann, ist am Ende der Verlierer.

Gefährliches Spiel: Wer von den Automaten nicht lassen kann, ist am Ende der Verlierer.

Es schien so, als ob der Mitarbeiter eines Pforzheimer Autohauses nur auf seine Beförderung zum Leiter des Finanz- und Rechnungswesens gewartet hätte. Zwei Wochen, nachdem ihm die uneingeschränkte Bankvollmacht übertragen worden war, hatte der Angeklagte am 14. April 2008 seine zweite Karriere als Betrüger gestartet. In 70 Fällen schleuste er Beträge von 3217 Euro bis 26752 Euro von den Konten seines Arbeitgebers in die eigene Tasche. Die Abgänge versteckte er in der Buchhaltung meist hinter fiktiven Rechnungen oder der fiktiven Erhöhung echter Rechnungen um den gewünschten Betrag. Den Geldtransfer auf seine Konten tarnte er mit anonymen Sammelüberweisungen. So geschickt jonglierte der Chefbuchhalter mit EDV-Programm, Zahlen und Buchhaltung, dass sein Treiben sogar einer Betriebsprüfung standhielt.„Andere haben sich einegoldene Nase verdient“Amtsgerichtsdirektor Dr. Karl-Michael WalzErst als besorgte Kollegen sich über das zunehmend nervöse Verhalten des Buchhalters wunderten, flogen Spielsucht und Betrugsmasche nach mehr als drei Jahren auf. Einmal entdeckt, hat der Angeklagte den Ermittlern ihre Arbeit leichtgemacht. Er gestand sofort, legte seine Konten offen und half den Steuerberatern bei der Recherche des Geldflusses.

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