Mit Pferd und Futtersack um die Welt und zurück

Archiv

Leo Joly ist seit zehn Jahren Betreuer für Sportpferde – Franzose mit Arbeitsplatz in Belgien und Chef aus Ägypten

Pforzheim. Klipper-di-klapper – ein paar Takte trommeln die Hufeisen auf hartem Asphalt, dann verschluckt weicher Rasen die Geräusche, die das zehnjährige dänische Kraftpaket auf vier Pferdebeinen macht. Noch schlendert „Vida Loca“ gemütlich hinter seinem Betreuer Leo Joly (41) her, der den Wallach für seinen Einsatz beim 15. Goldstadt-Cup aufgezäumt hat. Samt „Fliegengitter“ vor den Ohren. Denn nichts, auch nicht die kleinste summende Irritation, soll das Tier davon abhalten, seinen Reiter Mostafa Abboud aus Ägypten über die Hindernisse zu tragen.

Betreuer Leo Joly (re.) weicht „Vida Loca“ nicht von der Seite und ist auch dessen Besitzer Mostafa Abboud stets zu Diensten. . Foto: Roth

Betreuer Leo Joly (re.) weicht „Vida Loca“ nicht von der Seite und ist auch dessen Besitzer Mostafa Abboud stets zu Diensten. . Foto: Roth

Doch vom Reiter ist noch nichts zu sehen. Der komme immer ein bisschen später, sagt Leo Joly. Er nimmt es gelassen, sein Job war es, „Vida Loca“ auf das Turnier vorzubereiten, dafür zu sorgen, dass das Tier gesattelt zur Verfügung steht. Nicht mehr, nicht weniger. „Just Training“, sagt er - „nur das Training“ sei seine Angelegenheit. Und zwar in Antwerpen (Belgien). Jeden Tag. Am Wochenende kommt dann „Herrchen“ Mostafa Abboud aus Ägypten angeflogen und sitzt selbst in Antwerpen auf – wenn er nicht auf einem Turnier für sein Heimatland startet. Und dafür sei dann „Vida Loca“ das beste Pferd im Stall. Sagt Mostafa Abboud, der dann doch noch – lässig mit einer Cola in der Hand – an den Sandplatz zum Einreiten kommt. Das Beste, aber lange nicht das Einzige: Mostafa Abboud, der das Reiten als Hobby betreibt, hat in Ägypten fünf Pferde stehen, in Belgien fünf und in Frankreich noch einmal fünf. Und die fünf belgischen Sportpferde werden von Leo Joly fit gemacht, der seit zehn Jahren nichts anderes tut. Und zwar mit Leib und Seele. „Schon als Junge wollte ich das. Mit Pferden etwas zu tun haben“, erzählt der Mann, der ursprünglich aus Paris kommt, auf Englisch. Und natürlich ist Leo Joly nicht zufällig und über fünf Ecken aufs Pferd gekommen, sondern schon als Kind geritten und gesprungen. Doch um selbst mit einem Pferd auf Turniere zu gehen, braucht man Geld. Viel Geld. „Hab ich nicht“, sagt er lakonisch. Doch seinen Stolz auf den in voller Pracht neben ihm stehenden „Vida Loca“ kann er nicht verbergen. Irgendwie ist es ja auch seines und der Ruhm, wenn der Wallach über die Hindernisse fegt, strahlt dann auch auf ihn ab.

Wir freuen uns, dass Sie sich für einen logo Artikel interessieren. Jetzt registrieren und weiterlesen.

  • Alle Webseiteninhalte
  • Inklusive aller logo Artikel
  • Jederzeit kündbar

Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen

Artikel empfehlen