Mein lieber Hahn

Archiv

Reportagen rund um die Uhr: Donnerstagvormittag, 10.15 Uhr, auf dem Friedhof in Diefenbach, wo mit ein bisschen Fantasie und Glück auch stumme Vögel ganz laut ihre Stimme erheben können.

Sternenfels-Diefenbach. Es mag Menschen geben, die hören und folgen dem Ruf der Berge. Andere erliegen dem Lockruf des Geldes, und Odysseus war weder der erste noch der letzte Mann auf dieser Erde, der sich von Sirenenrufen bezirzen ließ. Weitgehend unerforscht hingegen ist die Faszination, die von der Lautäußerung des männlichen Exemplars von Gallus gallus domesticus ausgeht.

Mein lieber Hahn

Dieser Hahn hat den Schnabel geöffnet. Und fast könnte man glauben, dass er tatsächlich seine Meinung laut kundtut.

Es kräht der Hahn zum ersten Mal, da ist es 10.15 Uhr an diesem sonnigen Vormittag, und die Turmuhr hat gerade die Viertelstunde geschlagen. Die Spaziergängerin, die ziellos durch Diefenbach streift, steht in dieser Sekunde an der schmiedeeisernen Eingangspforte des Friedhofs, und ihr Blick fällt durch die Stäbe hindurch auf den Kirchturm. Was thront auf der Spitze? Selbst von unten gut zu erkennen sitzt da ein stolzer, goldener Hahn, den Schnabel in kommunikativer Absicht weit aufgerissen. Der Kollege aus Fleisch und Blut, der ihm die Stimme leiht, ist zwar nicht zu erkennen, aber das Zusammentreffen von Optik und Akustik kann kein Zufall sein. Also folgt die Spaziergängerin dem Ruf des Hahns.

Wir freuen uns, dass Sie sich für einen logo Artikel interessieren. Jetzt registrieren und weiterlesen.

  • Alle Webseiteninhalte
  • Inklusive aller logo Artikel
  • Jederzeit kündbar

Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen

Artikel empfehlen