Maschine kann die Lunge ersetzen
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Helios-Klinik stellt ECMO-Apparatur vor – Gerät kommt unter anderem bei schweren Grippefällen zum Einsatz
Pforzheim. Der Intensivmediziner Dr. Felix Schumacher schildert es eindringlich: Eine Patientin mit Lungenentzündung, schon blau angelaufen vor lauter Sauerstoffmangel, wird an eine ECMO-Apparatur angeschlossen – und binnen weniger Sekunden sieht ihre Hautfarbe wieder normal aus. Was wie ein Wunder wirkt, ist der Erfolg eines modernen Gerätes, das das Pforzheimer Helios-Klinikum im vorigen Jahr angeschafft hat. In ganz Baden-Württemberg gibt es nur etwa zehn solcher Maschinen, die eine durch Infekte stark beeinträchtigte Lunge ersetzen und ihr so eine für die Heilung benötigte Ruhepause gönnen. „Das sind Fälle, bei denen eine normale Überdruckbeatmung nicht ausreichend und sogar schädlich wäre“, erklärt Felix Schumacher. Zum Einsatz kommt ECMO im normalen Klinikalltag vielleicht zehnmal im Jahr, meist bei einem schweren Verlauf von Influenza, also der Virusgrippe, erklärt der Arzt. Aber sie könne auch bei Lungenerkrankungen durch das aktuell grassierende Coronavirus eingesetzt werden, wie es etwa in China mit ähnlichen Geräten geschehe.
An einer Puppe übt das Personal der Helios-Klinik den Umgang mit der ECMO-Apparatur.Foto: Peche
Unsere Zeitung hat die beiden Chefärzte für Pneumologie, Dr. Ute Oltmanns und Intensivmediziner Dr. Schumacher, im Schulungsraum der ECMO-Versorgung getroffen. ECMO steht für Extrakorporale Membranoxygenierung, bei der sauerstoffarmes Blut aus dem Körper ausgeleitet wird. In einem Filter läuft dann der Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff ab. „Wir schulen unser Personal ständig an den Geräten, weil sehr komplexe Faktoren der Blutgase und der Blutgerinnung berücksichtigt werden müssen“, sagt Schumacher neben der Puppe, an der die Prozesse simuliert werden. Die echten ECMO-Patienten würden kontinuierlich überwacht und beim Fortschreiten der Heilung überprüft, wann Schritt für Schritt die normale Beatmung wieder aufgenommen werden könne. „Im Durchschnitt sind Patienten zwei Wochen lang ans Gerät angeschlossen“, so Schumacher.
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