Manche Familie fühlt sich abgehängt

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Ob es für Eltern in der Corona-Krise gut läuft, hängt von vielen Faktoren ab. Die Basis meldet der Politik Unterstützungsdefizite.

Enzkreis. Fragen, die Familien derzeit unter den Nägeln brennen, sollten am Dienstagnachmittag im Fokus des Familiengipfels über die Plattform zoom thematisiert werden. Dazu eingeladen hatte Katja Mast, Bundestagsabgeordnete der SPD, die sich dazu Unterstützung bei Staatssekretärin Juliane Seifert holte. Zu Wort kamen während der einstündigen Videokonferenz unter anderem auch Teilnehmer aus dem Enzkreis.

Manche Familie fühlt sich abgehängt

Beim Familiengipfel tritt die Bundespolitik, vertreten durch die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast und Staatssekretärin Juliane Seifert (oben, v.li.), in Kontakt mit Betroffenen unter anderem aus dem Enzkreis: Elena Link, Karin Eckstein und Annkathrin Wulff (unten, v.li.). Foto: Friedrich

Die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Homeschooling, also das Lernen der Kinder zu Hause, das habe viele vor große Herausforderungen gestellt, begründete Mast, weshalb sie diesen Familiengipfel initiiert hatte. Sie selbst habe zwei grundschulpflichtige Kinder, gehört aber zweifellos zu den besser situierten Familien, die laut Elena Link vom Lukaszentrum in Pforzheim relativ gut durch die Krise kamen. Die Lage „bei Familien, bei denen es eh nicht gut läuft“, sei dagegen das eigentliche Problem. Denen falle es schwer, die Krise zu meistern, so Link. Da brauche es folglich Hilfe. Ähnlich äußerte sich auch Karin Eckstein, Gründerin und Initiatorin der Familienherberge Lebensweg in Schützingen. Sie unterstützt dort Familien mit schwerstkranken und behinderten Kindern. Im Moment sei sie „ein bissele alleine unterwegs“, erzählte sie. Behinderte Kinder auf Abstand zu halten, das sei eben „ganz arg schwierig“; entsprechend schleiche man in ihrem Bereich momentan von Notkonzept zu Notkonzept. „Das wird für die Familien ein langer Weg zur Normalität“, befürchtete Eckstein. Wie sich das in der Praxis anfühlt, beschrieb eine betroffene Mutter: „Abgehängt sein trifft es ganz gut.“ Ihre Forderung an die Politik: Einrichtungen wie die Familienherberge müssten besser unterstützt werden, und Gesundheitsämter sollten Wege suchen, wie auch Kinder aus der Hochrisikogruppe gut geschützt in solche Einrichtungen gehen können. Thematisiert wurde bei dem virtuellen Gipfeltreffen auch die Frage der Digitalisierung im Bildungsbereich. „Wir haben an ganz vielen Ecken und Enden in Baden-Württemberg das Problem, dass viele Schüler in der Zeit, in der Fernunterricht gemacht wurde, abhängt worden sind“, befürchtete Annkathrin Wulff, Oberstudienrätin an der Goldschmiedeschule in Pforzheim.

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