Mahnfeuer werfen ein Licht auf Nöte der Bauern

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Auch Landwirte im Enzkreis protestieren und fordern: „Redet mit uns, anstatt über uns“

Enzkreis. Immer höhere Auflagen trotz gleichzeitig massivem Druck auf die Erzeugerpreise, ein mit heißer Nadel gefühlt an den Landwirten vorbei gestricktes Agrarpaket der Bundesregierung, eine erneute Verschärfung der Düngeverordnung und noch dazu die im Rahmen des Volksbegehrens aufgekochte Diskussion um den Pflanzenschutz: Die Gemütslage der Landwirte in der Region brodelt nicht nur, sie brennt. Nach dem bundesweiten Traktor-Korso brachten dies nun zahlreiche Höfe mit über 150 Mahnfeuern am Samstagabend in Baden-Württemberg zum Ausdruck – zum Beispiel im Kreis Ludwigsburg und im Enzkreis, hier unter anderem in Ölbronn und Kämpfelbach-Ersingen.

Mahnfeuer werfen ein Licht auf Nöte der Bauern

Mit einem Mahnfeuer hat unter anderem die Kämpfelbacher Landwirtsfamilie Heckmann am Samstagabend interessierte Bürger und Regionalpolitiker zum Gespräch geladen. Auch anderswo, zum Beispiel im Landkreis Ludwigsburg, fanden solche Aktionen statt. Foto: Zachmann

„Wir alle stehen mit dem Rücken an der Wand“, verdeutlichten Jasmin und Nicolai Heckmann, als sie nahe dem Steinbruch an der B10 vor dem Ersinger Kreuz ihr angemeldetes Feuer entzündeten. Mit dem Ertrag seiner Felder füttert Nicolai Heckmann 300 Rinder zur Erzeugung von regionalem Färsen-Fleisch, zudem betreibt er mit seinem Vater Theo und seinem Bruder Christian eine hauptsächlich mit dem Stallmist befüllte 380 kW-Biogasanlage, die neben Strom gepaart mit einer Hackschnitzelanlage auch Wärme für über 70 Haushalte, die Schule und das Hallenbad im Ort erzeugt. Ein insgesamt schlüssiges Konzept, von dem die ganze Familie im Moment leben kann. Doch: „Seit den Verhandlungen der EU-Außenhandelsabkommen ist der Fleischpreis eingebrochen und uns fehlen 50 Cent pro Kilogramm Fleisch“, verdeutlicht Heckmann, „Das ist genau der Gewinnanteil, der das Ganze vom Plus ins Minus kippen kann.“ Auch die im Jahresverlauf immer enger getaktete Ausbringungsmöglichkeit für die nährstoffreiche Biogas-Gülle beschäftigt den Betrieb – das führe teilweise dazu, dass die Gülle zu Zeiten ausgebracht werden müsse, zu denen die Pflanzen gar keinen Bedarf hätten. Hinzu komme die geplante Ausweisung weiterer Schutzgebiete, aus Sicht der Landwirte verbunden mit vielen Ungereimtheiten. Einerseits würden die deutschen Bauern zu den weltweit höchsten Standards gesunde Lebensmittel produzieren, doch andererseits würden sie in der Öffentlichkeit in ein immer negativeres Bild gerückt.

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