Mäharbeiten mal anders
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Schiff ahoi! Auf dem Tiefen See kämpft ein einsames Boot gegen eine Masse von Wasserpflanzen
Maulbronn. Das Wasser des Maulbronner Naturfreibads „Tiefer See“ ist so sauber und klar, dass sich darin nicht nur Badegäste, sondern auch Wasserpflanzen sauwohl fühlen. Zuletzt ließ die gute Laune bei einigen Gästen, die Eintritt für eine Abkühlung zahlen, etwas nach. Weil die Hydrophyten sich in den vergangenen Wochen rasant vermehrt hatten, fühlte sich ein Teil der Badenden in seinem Schwimmspaß gestört. Die Stadt, die in der jüngsten Zeit bereits viel ins Naturfreibad investiert hatte, scheute einmal mehr keine Kosten und engagierte für rund 3000 Euro Spezialisten mit einem Mähboot, um das Problem mit den Pflanzen einzudämmen. Das Gefährt mit dem integrierten Rasierer rückte dem Grünzeug am gestrigen Freitag zu Leibe. Dem nicht gerade alltäglichen Scherenschnitt fiel ein Badetag zum Opfer. Am See spielten sich skurril anmutende Szenen ab: Ein Riesenrechen beharkte den Weiher, echte Kerle fischten das Treibgut trotz Bullenhitze an etlichen Stellen des Ufers von Hand aus dem Wasser. Damit die Badegäste am Tiefen See schon heute wieder mit Hochgenuss planschen, Boot fahren und kraulen können, legt sich ein kleines Team des städtischen Bauhofs um Stadtbaumeister Tim Schmidt mächtig ins Zeug. „Wir werden um 6 Uhr früh noch einmal Treibgut aus dem See entfernen“, kündigte Schmidt gestern im Gespräch mit unserer Zeitung an und bilanzierte den ungewöhnlichen Mäheinsatz auf dem Wasser folgendermaßen: „Die Aktion hat auf jeden Fall etwas gebracht.“ Einen erneuten Einsatz der Spezialisten kann der Stadtbaumeister für die aktuelle Badesaison nicht ausschließen.
Wasser trieft von der absenkbaren Riesenschere des Mähboots, die gerade noch unter der Oberfläche gegen das Grünzeug im Maulbronner Naturfreibad gekämpft hat. Foto: Disselhoff
In den vergangenen Jahren hat der Tiefe See stets das Prädikat „ausgezeichnet“ für seine Wasserqualität erhalten. Grundlage für die Bewertung ist die Badegewässerrichtlinie der EU. Die Pflanzen sind ein Indiz für die Reinheit des Naturfreibads, das im Gemeinderat schon bald wieder ein Thema sein dürfte. Denn noch ist nicht entschieden, wie der drohenden Verlandung des Sees entgegengewirkt werden kann. Die Bandbreite der Maßnahmen, die die Verschlammung bremsen könnten, ist groß (wir berichteten). Und wie der Vortrag des Gewässerexperten und Gutachters Dr. Karl Wurm im Gemeinderat klar gezeigt hat, steht schon jetzt fest: Je nachhaltiger die Behandlung des eigentlich gar nicht so kranken Patienten wirken soll, desto teurer wird das Ganze. Entscheidet sich der Gemeinderat für die von Wurm favorisierte Variante, einen Teil des Seegrunds auszubaggern sowie ein Absetzbecken zu bauen, muss er dafür unter dem Strich etwas über zwei Millionen Euro in die Hand nehmen. Die Anschaffung eines Mähboots, das Wurm ins Spiel gebracht hatte, steht ebenfalls zur Debatte.
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