Lernen vom modernen Rumpelstilzchen
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Gernot Hassknecht im Kulturhaus Osterfeld: Das Pforzheimer Publikum erweist sich als gelehriger Choleriker-Schüler
Gernot Hassknecht kam schon wütend in den Großen Saal des Kulturhauses Osterfeld. Und wie ein gepflegter Zornesausbruch vonstattengeht, vermittelte er seinem gelehrigen Publikum.
Pforzheim. Ein typischer Tag von Gernot Hassknecht fängt so an: Er steht auf, setzt sich an seinen Schreibtisch und formuliert erst einmal einen geharnischten Brief an den Bäcker, schließlich will er seine Brötchen mit einer Innentemperatur von 33 Grad Celsius und mit einem goldbraunen Schimmer in Empfang nehmen. Schickt den Beschwerdebrief ab und geht zum anderen Bäcker. In dem Stil geht es weiter: Ob mit Frau Renate – „ein Fass ohne Hoden“ – oder den Brüsseler Beamten. Und auch in das Kulturhaus Osterfeld, wo das aus der „heute show“-Sendung bekannte 1,63 Meter große Wutbündel am Mittwoch erwartet wird, läuft er stampfend ein: Die Innenausstattung könnte von Saddam Hussein sein, findet er. Das Bühnenlicht sei wohl in den 1980er Jahren auf dem Flohmarkt gekauft worden, in der Garderobe sei wohl ein Opossum verendet, statt des goldenen Zehnagelknipsers habe er die Rohrzange benutzen müssen, motzt er. Und das Publikum erst: Das ist mit seinem ästhetischen Empfinden gar nicht vereinbar und trage Frisuren, von denen er dachte, die seien mit der DDR untergegangen. Da ist der nächste Beschwerdebrief fällig.
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