Krieg auf der Autobahn als Boulevardkomödie
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Amtsgerichtsdirektor Dr. Bernd Lindner sucht verzweifelt die Wahrheit – Vier Versionen einer Geschichte mit irren Wendungen
Maulbronn. Ein Mann auf der Anklagebank, drei Zeugen und vier Versionen – am Ende hatte Amtsgerichtsdirektor Dr. Bernd Lindner gestern keine andere Wahl, als einen 44-Jährigen aus Ravensburg freizusprechen. Er hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl über 35 Tagessätze à 50 Euro und drei Monate Fahrverbot eingelegt. Die Staatsanwaltschaft war ursprünglich davon ausgegangen, dass er am 30.März 2019, gegen 16.15 Uhr, mit gefährlichen Manövern auf der A8 zwischen Heimsheim und der Tank- und Rastanlage Pforzheim einen 29-Jährigen, dessen Vater und seine 23-jährige Freundin gefährdet hat. Doch was wirklich passiert ist, konnte die Beweisaufnahme am Amtsgericht nicht klären. Sie glich vielmehr einer Boulevardkomödie mit irren Wendungen. Nur in einem Punkt waren sich alle Beteiligten einig: Auslöser für den gefährlichen Kleinkrieg auf der Autobahn war ein Fahrfehler des 44-jährigen Familienvaters, der mit seinem BMX X3 beim Wechseln von der mittleren auf die linke Spur einen von hinten nahenden Citroen C1 scheinbar nicht richtig wahrgenommen hat und den Fahrer des Kleinwagens zu einem Bremsmanöver gezwungen hat.
Alles wäre ein ganz gewöhnlicher Zwischenfall im täglichen Verkehr auf der Autobahn geblieben, hätte der 29-Jährige keine Anzeige erstattet. Nicht etwa wegen des Fahrfehlers seines Kontrahenten, sondern weil dieser ihm in der Folge mehrfach auf allen drei Fahrspuren gefährlich ausgebremst und sogar Anstalten gemacht haben soll, ihn in die Leitplanke zu drängen.
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