Krichbaum: Sieger mit vielen Blessuren

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CDU-Kandidat verteidigt zum vierten Mal in Folge das Direktmandat – SPD stürzt immer weiter ab – Plattengemeinden bleiben FDP-Bastion

Enzkreis/Pforzheim. Nervosität oder raffinierte Taktik? Gunther Krichbaum, seit 2002 der Platzhirsch im Wahlkreis, hat in der vergangenen Woche vor allem eins gemacht: Wahlkampf gegen die AfD mit der Botschaft, dass jede Stimme, die Krichbaum nicht bekommt, Birkle näher ans Direktmandat bringt. CDU-Anhänger haben in den sozialen Medien die Wähler sogar dazu aufgerufen, ihre Erststimme Krichbaum zu geben, auch wenn sie nicht unbedingt ein Anhänger von ihm seien, nur um Birkle in Berlin zu verhindern. Hat Krichbaum wirklich Angst gehabt hat, sein Mandat zu verlieren, oder wollte er mit dieser Anti-AfD-Strategie einfach nur möglichst viele Erststimmen einheimsen?

Krichbaum: Sieger mit vielen Blessuren

Ob die Rechnung aufgegangen ist, ist eine Frage der Perspektive. Er hat das Direktmandat verteidigt, aber mit gerade mal 36,4 Prozent sein mit Abstand schlechtestes Ergebnis seit 2002 eingefahren. Den AfD-Herausforderer Waldemar Birkle konnte Krichbaum damit immer noch deutlich auf Distanz halten. Der Rechtsaußen kam auf 15,8 Prozent der Erststimmen. Krichbaum ist also der Sieger des Duells, hat jedoch schwere Blessuren hinnehmen müssen. Aber immerhin scheint seine Wahlkampfstrategie aufgegangen zu sein. Denn in allen 29 Kommunen liegt sein Erststimmenanteil über dem Zuspruch, den die CDU bei den Zweitstimmen erhalten hat. Die Tatsache, dass Gunther Krichbaum mehr Erststimmen holt als seine Partei Zweitstimmen war aber auch schon bei allen Wahlen seit 2005 der Fall. Der Kandidat ist also besser als seine Partei. Ein schwacher Trost: Denn noch nie haben beide so schlecht abgeschnitten wie 2017. Das dürften sie nicht nur der starken AfD zu verdanken haben, die im Wahlkreis Pforzheim/Enzkreis auf 16,3 Prozent der Zweitstimmen kommt, sondern auch der wiedererstarkten FDP (13,6 Prozent) und den respektablen Ergebnissen der Grünen (10,8 Prozent) und der Linken (5,4 Prozent). Der große Verlierer ist die SPD, die auf gerade mal 16,3 Prozent kommt und mal wieder einen neuen historischen Tiefstand markiert.

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