Krakelige Schrift schreckt nicht ab
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Gedenkabend für Lore Perls in der Jüdischen Gemeinde
Pforzheim. Vor der Frau muss man den Hut ziehen. Allein schon deshalb, weil sie in mühevoller Kleinarbeit eine krakelige Handschrift – und das auch noch auf Englisch – entziffert hat. Über Jahre. Die etwa 150 Gäste der Jüdischen Gemeinde können dank eines an die Wand projizierten „Beweisfotos“ nachvollziehen, wie sehr sich Nancy Amendt-Lyon über fast drei Jahre in die Arbeit gekniet hat. Die Früchte dieser akribischen Recherche stellt sie am zweiten „Gedenkabend“ für die Pforzheimer Gestalttherapeutin Lore Perls vor: Den Titel hat sie einer Passage, in der die in Südafrika und New York im Exil lebende Lore Perls voller Leid an ihre zurückgelassenen Freunde denkt, entnommen. „Zeitlose Erfahrung“ heißt das Buch, das nun auf Deutsch erschienen und an diesem Abend nicht nur einmal käuflich erworben wird.
Nancy Amendt-Lyon verliert sich im Lauf des Abends ein bisschen in den Biografien des engen Umfelds von Lore Perls. Aber die Geschichte, wie sie an die Notizen kam, ist interessant. Und über 70 einleitende Seiten im Buch nachzulesen. „Ich habe Laura (Anmerkung: als Lore wird sie 1905 in Pforzheim als Tochter eines jüdischen Juweliers geboren, als Laura Perls stirbt sie dort 1990) im April 1976 in Manhattan kennengelernt, wo ich Familie besuchte.“ Der Kontakt riss nie wieder ab. Und im Frühjahr 2013 habe sich Perls heute noch in den USA lebende Tochter Renate gemeldet. Die Mutter sei ihr in der Nacht erschienen, mit dem Auftrag, ihre Notizbücher der Freundin zu überreichen. Da hat Perls Tochter gut daran getan, so sind die Einsichten, Ansichten und Gedanken der in der ganzen Welt berühmten, in Pforzheim allerdings kaum bekannten Musikerin, Tänzerin und Therapeutin der Nachwelt erhalten.
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