Klimawandel stört die Winterruhe
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Dachs und Eichhörnchen sind auf Futtersuche – Schmetterlinge und Hummeln im Januar
Enzkreis. Manche werden sich kaum noch daran erinnern, aber früher bestand das Jahr tatsächlich mal aus vier Jahreszeiten. Heute fliegen an Weihnachten im Enzkreis Schmetterlinge und Hummeln durch die Gegend, und Tiere, die jetzt eigentlich Winterruhe halten sollten, wie der Dachs und das Eichhörnchen, wandern auf der Suche nach Nahrung durch Streuobstwiesen. „Ich habe kürzlich sogar noch Strauchschrecken zirpen hören und das sind Heuschrecken, die normalerweise bereits am Anfang des Winters sterben“, berichtet der im Regierungspräsidium Karlsruhe für den Enzkreis zuständige Landschaftsökologe Peter Zimmermann. Und dennoch: Wirklich weitreichende Folgen hat so ein einzelner milder Winter für die Natur nicht. Zumindest noch nicht. „Selbst wenn die Temperaturen in der ersten Winterhälfte wochenlang bei zehn Grad liegen, ändert das kurzfristig nichts Wesentliches an den natürlichen Rhythmen“, betont Zimmermann und erklärt „Die Fortpflanzung der meisten heimischen Tiere und die Blühphase der heimischen Pflanzen hängt nämlich stärker von der Tageslänge als von den Temperaturen ab. Auch die in vielen Gärten derzeit blühenden Ziersträucher beweisen nicht das Gegenteil. Winterschneeball, Schneekirsche, Winterjasmin oder die Zaubernuss sind keine heimischen Pflanzen. Ihre Blühphase ist genetisch auf die Monate festgelegt, in der in ihrer Heimat die besten Bedingungen für sie herrschen – und zu der Zeit ist in Deutschland eben Winter. Selbst für Landwirte haben die milden Temperaturen bisher keine Folgen. „Unsere Pflanzen bekommen erst dann Probleme, wenn auf eine Phase mit relativ milden Temperaturen ein abrupter, starker und schneefreier Kälteeinbruch folgt“, erklärt der Vorsitzende des Enzkreis-Bauernverbands, Ulrich Hauser. Ein Kälteeinbruch ist derzeit aber nicht in Sicht. Die Temperaturen sollen auch weiterhin deutlich über dem Gefrierpunkt liegen. Da jetzt im Januar die Tage langsam wieder länger werden, wird es dann wohl nicht mehr lange dauern, bis das milde Wetter doch seine ersten negativen Folgen zeigt. „Die Pollenallergiker werden sie als erste zu spüren bekommen“, meint Peter Zimmermann. Für die fängt die Leidenszeit ohnehin schon seit Jahren immer früher an.
Normalerweise sind Eichhörnchen zurzeit im Winterruhe-Modus. Durch die warme Witterung sind sie aber momentan aktiver als gewohnt. Foto: Lechner
Langfristig machen sich die steigenden Durchschnittstemperaturen dann aber doch bemerkbar. Pflanzen wie die Haselnuss, die Erle und verschiedene Weidenarten blühen heute deutlich früher als noch vor 40 Jahren, und auch die Tierwelt im Enzkreis verändert sich. Kälteliebende Arten wie die Alpine Gebirgsschrecke werden immer stärker in die Gipfellagen des Schwarzwalds verdrängt, dafür machen sich in den tiefen Lagen des Enzkreises immer mehr wärmeliebende Arten aus Südeuropa breit. Die Gottesanbeterin, die Feuerlibelle oder die Südliche Eichenschrecke sind solche Neubürger.
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