Klavierabend voller Raritäten
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Maulbronn. Auf die Gelegenheit, den weltweit gefeierten Virtuosen im Rahmen der Kammermusikwoche „Bernd Glemser und Freunde“ der Klosterkonzerte Maulbronn in einem Solokonzert zu erleben, warteten wie jedes Jahr viele Musikfreunde. Am Freitagabend bestand dazu Gelegenheit: Bernd Glemser bot einen Abend voller Köstlichkeiten aus der Klavierliteratur und legte einen Schwerpunkt auf seltener gespielte Werke.
Im fast voll besetzten Laienrefektorium war beispielsweise zu Beginn des Konzerts die Klaviersonate Nummer 30 in E-Dur, Opus 109, von Ludwig van Beethoven zu hören. Der damals 50-jährige Komponist widmete das dreisätzige ungewöhnlich zusammengesetzte Werk seiner großen Liebe Maximiliane Brentano. Ungewöhnlich ist daran, dass auf zwei äußerst lebhafte Sätze ein „Andante molto cantabile“ als Finale folgt. Für Bernd Glemser schien diese Komposition geradezu maßgeschneidert, konnte er doch bei deren Ausführung sogleich alle Register seiner immer wieder hinreißenden, regelrecht faszinierenden Musizierkunst ziehen. In kraftvoll bewegtem Tempo und unter starkem Einsatz tiefer Töne zur kontrastreichen Untermauerung seiner ungemein leichtläufigen, zugleich auch glutvollen Gestaltung des mit perligem Anschlag ausgeführten Hauptthemas des ersten Satzes bestach er vom ersten Takt an. Noch bravouröser und akzentuierter führte Glemser das dramatisch angelegte Prestissimo aus. Im Gegensatz dazu erklang der Schlusssatz zunächst verklärt und versonnen, bevor noch ein in vielfachen Variationen eingefügtes expressives Endthema diese feinen Stimmungen kurzzeitig unterbrach. Allein diese überaus kontrastvolle Interpretation der Beethoven-Sonate war ein großartiger Genuss.
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