Kater tot – Angreifer frei
Archiv
Drogen und Stimmen im Kopf: Mann geht mit Messer auf sein Tier los – Schuldfähigkeit nicht zweifelsfrei erwiesen
Pforzheim. Im Zweifel für den Angeklagten: Von diesem Gerichtsgrundsatz profitiert nun ein 27-jähriger Pforzheimer. Richter Patrick Stemler sprach den Mann frei, der am 8. April 2017 mit einem 17 Zentimeter langen Messer auf seinen Kater losgegangen war und ihn dann aus dem vierten Stock geworfen hatte. Begründung: Die Tat sei erwiesen, aber die Schuldfähigkeit nicht. Zum Tatzeitpunkt stand der Angeklagte unter Drogen. Stemler stützte sich zudem auf Aussagen des Professors aus der Psychiatrischen Klinik: keine starke Abhängigkeit, aber Missbrauch von Alkohol, Cannabis, Amphetaminen und offenbar paranoides Erleben sowie psychotische Symptome, die zu einem Gefühl der Bedrohung führten. Dies alles entnahm Arzt Gunther Essinger dem Klinik-Bericht, den er vor Ort mit dem Auftreten des Angeklagten verglich. Stimmig, so seine Einschätzung. Absprechen wollte Essinger dem Mann nicht, dass er Stimmen gehört habe, doch sei es schwer nachvollziehbar. Die Stimmen, so der 27-Jährige, der sich nach der Tat in die Psychiatrie bringen ließ, höre er nicht mehr, seit er „clean“ sei.
Dafür aber an jenem Apriltag. Er sei, so schilderte er vor dem Amtsgericht Pforzheim, länger arbeitslos gewesen, Vater geworden, habe keinen Freundeskreis gehabt und sich durch Probleme und Geldschulden „unter Druck“ gefühlt. „Ich war nicht mehr ich selbst.“ Und auf einmal war der Kater, mit dem er schon oft gespielt hatte, eine gefühlte Bedrohung. „Ich hatte Angst vor einer Infektion.“ Der Kater sei wohl ein Vorwand gewesen, er wisse nur noch, dass „es mir den Hals zugeschnürt hat“.
Wir freuen uns, dass Sie sich für
einen Artikel interessieren.
Jetzt registrieren und weiterlesen.
- ➔ Alle Webseiteninhalte
-
➔ Inklusive aller
Artikel
- ➔ Jederzeit kündbar
Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen