Im Ernstfall zählt jede Sekunde

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Mühlacker. Vorsichtig lässt Opfer Jascha Althans sich in das Eisloch gleiten, das mitten auf der Enz klafft. Fast regungslos verharrt er im Wasser, nur einmal rudert er noch mit den Armen in der Luft: „Hilfe, Hilfe“. Lange muss er nicht auf seine Rettung warten. Pascal Wolf schlittert und sprintet über das Eis, legt sich vorsichtig auf den Bauch, robbt an die Abbruchkante, packt mit beiden Händen den erschöpften Mann und zerrt dessen regungslosen Oberkörper halb aus dem Wasser. Den Rest erledigt das dreiköpfige Team an Land, das die Sicherungsleine zum Retter im Griff hat. Gleichmäßig ziehen sie das Duo über die Eisfläche ans sichere Ufer. In nicht einmal einer Minute ist alles vorbei.

Eisrettung: Jascha Althans (li.) hievt Pascal Wolf aus der kalten Enz. Im Notfall muss jeder Handgriff sitzen, denn schon nach wenigen Minuten erschlafft die ganze Muskulatur.

Eisrettung: Jascha Althans (li.) hievt Pascal Wolf aus der kalten Enz. Im Notfall muss jeder Handgriff sitzen, denn schon nach wenigen Minuten erschlafft die ganze Muskulatur.

Das hohe Tempo ist überlebenswichtig. Knapp null Grad Celsius beträgt die Wassertemperatur unter der Eisfläche. „In dieser Kälte verkrampfen und erschlaffen Muskeln nach rund fünf Minuten. Dann kann sich ein Mensch nicht einmal mehr an einem Rettungsring hochziehen, der ihm zugeworfen wird“, erläutert Abteilungskommandant Ralph Keipp. Doch acht Minuten allein kann es dauern, bis die Feuerwehr nach dem ersten Notruf vor Ort ist. Da bleibt schon rein rechnerisch keine Zeit mehr für Fehler, alles muss wie ferngesteuert funktionieren. Immer wieder proben Jascha Althans, Dirk Möller, Pascal Wolf und Thomas Krüger den Ernstfall, in wechselnder Zusammensetzung und unter wechselnden Bedingungen. Mal rutscht der Notfallschlitten über das Eis, mal kommt der Rettungsring zum Einsatz, dann wieder robbt der Retter solo über das Eis. „Heute haben wir tragfähiges Eis bis an den Rand, da können wir den Schlitten einsetzen. Wenn das Eis dünn und brüchig ist, muss der Retter vielleicht zum Opfer schwimmen“, erläutert Keipp verschiedene Methoden. „Manchmal wird das bewusstlose Opfer durch Unterströmungen unter das Eis geschoben“, warnt er vor allem vor fließenden Gewässern wie der Enz.

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