„Ich bin geschockt“

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Die Katastrophe in der zweiten Heimat bewegt die Philippinerin Lily Holme aus Wiernsheim

Wiernsheim. Dass Lily Holme die Bilder aus dem Katastrophengebiet um Tacloban besonders zu Herzen gehen, verwundert nicht. Die 62-jährige Wiernsheimerin stammt von den Philippinen. Sie weiß, wie schwer es die vom Taifun „Haiyan“ betroffenen Menschen haben, die auch ohne die Naturkatastrophe ein beschwerliches Leben führen. „Ich war geschockt, es trifft die Ärmsten“, sagt Lily Holme mit Blick auf die Nachrichten aus ihrem Herkunftsland, von denen sie nach ihrem Urlaub überrascht wurde. Kurz vor dem verheerenden Taifun hatte Lily Holme mit ihrem Ehemann Norbert Verwandtschaft auf den Philippinen besucht, danach noch eine Woche in Thailand verbracht. Nach der Rückkehr sah Holme auf CNN, welche Verwüstungen der Sturm in ihrer zweiten Heimat angerichtet hat.

Von Beben, Stürmen und Vulkanen bedrohtes Inselreich: Lily Holme hat Glück – ihre Verwandtschaft lebt weit entfernt nördlich des Katastrophengebiets um Tacloban.

Von Beben, Stürmen und Vulkanen bedrohtes Inselreich: Lily Holme hat Glück – ihre Verwandtschaft lebt weit entfernt nördlich des Katastrophengebiets um Tacloban. Foto: Disselhoff

Auf den ersten Schock folgte das Gefühl tiefer Dankbarkeit. „Meinen Verwandten ist nichts passiert“, berichtet die Wiernsheimerin, die auch gleich telefonischen Kontakt zu ihrer Familie herstellen konnte. Auch eine Bekannte, die etwa 400 Kilometer vom Katastrophengebiet entfernt lebt, gab Entwarnung. Gleichwohl lassen die ehemalige Hebamme die Berichte aus der zweiten Heimat nicht los. „Vor allem die Kinder brauchen jetzt dringend Hilfe. Manchmal wache ich nachts auf und habe die Bilder der Kinder vor Augen, die mit nichts als ihren nassen Kleidern am Leib in den Trümmern stehen“, so die 62-Jährige, die mit einer Spende helfen will, verbunden mit der Hoffnung, dass das Geld auch dort ankommt, wo es gebraucht wird. Was Holme traurig macht, sind die Plünderungen und die Gewalt, die eine Folge der Katastrophe sind. Die Wiernsheimerin kann sich vorstellen, wie sich diejenigen Philippiner fühlen, die im Ausland für das Überleben ihrer Familien hart arbeiten und nicht wissen, wie es den Angehörigen geht. Holme hatte in den 70er Jahren den Sprung nach Deutschland gewagt. In der Bundesrepublik herrschte Pflegenotstand, die junge Hebamme, gerade mal Anfang 20, war willkommen. „Ich wollte meiner Familie helfen“, erklärt sie den mutigen Schritt, von dem ihre Verwandten auch heute noch immer wieder profitieren.

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