Goldstadt stellt sich der dunklen Vergangenheit
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Vortrag thematisiert Zwangsarbeit in der Schmuckindustrie
Pforzheim (ro). Für die Goldstadt ist das Jubiläumsjahr auch eine Gelegenheit, Dinge ans Tageslicht zu bringen, die nicht nur zum Jubeln sind. Aber eben auch dazu gehören, will man die 250 Jahre vom Startschuss erst der Uhren- dann der Schmuckindustrie nachvollziehen. Und die Gelegenheit wird genutzt – etwa bei einem Vortrag im Kulturverein, wo das Vereinsmitglied und der in der Initiative gegen Rechts engagierte Christof Grosse, die „Dunkle Seite der Schmuckindustrie“ hervor gekehrt hat. Sein Vortrag beleuchtete in einem „längeren Vorwort“ die Zusammenhänge vor dem Zweiten Weltkrieg und der „Gleichschaltung“ der Firmen und auch der Menschen. Der Menschen, die sich laut Grosse trotz guter Bildung und protestantischer Ethik in die Kriegsmaschinerie der Nazis einbauen ließen. Letztlich, so mutmaßt Grosse, habe den Menschen wohl der Mut zum Nein-Sagen gefehlt.
Grosses Meinung nach darf man aber auch nicht vergessen, dass es sich gut verdienen ließ an der Rüstungsproduktion. Und die vielen Zwangsarbeiter – die Zahlen schwanken zwischen 3000 und 6000 –, die hauptsächlich aus Russland, der Ukraine und Frankreich nach Pforzheim deportiert wurden, wurden fast wie Sklaven gehalten. „Russenlager“ sei die im Brötzinger Tal von der IHK und an Zwangsarbeitern interessierten Firmen finanzierten und gebauten Baracken genannt worden. Zwei Millionen Reichsmark Mehreinnahmen habe man durch diese Arbeitskräfte generieren können, die man brauchte, weil die eigene Belegschaft an der Front war. „Die einzige Firma, bei der man eine Liste mit den Namen der Zwangsarbeiter fand, war Witzenmann.“ Vieles ist vernichtet worden, absichtlich, unabsichtlich.
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