Gefühlschaos mit Schauder-Effekt

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Die Schauspielerin Luise Wunderlich gastiert im Vortragssaal des Knittlinger Faust-Archivs

Knittlingen. Im Juli dieses Jahres trat Luise Wunderlich, Schauspielerin und mehrfach ausgezeichnete Rezitatorin, zum ersten Mal im Vortragssaal des Knittlinger Faust-Archivs auf und nahm ihre Zuhörer mit in die heitere, beschwingte Welt eines Christian Morgenstern. Ihr jüngstes Gastspiel am gleichen Ort ließ dagegen ihr Publikum schaudern. Nicht nur Zuhörer Gerhard Hähnle, Leiter der Theatergruppe „Laterna Mystica“, hatte am Ende eine Gänsehaut.

Ausdrucksstarke Darbietung.

Ausdrucksstarke Darbietung. Foto: Filitz

„Augenblick, verweile doch...“ ist der Titel einer Sonderausstellung der Vaihinger Malerin Ulla Haug-Rößler, die mit Pinsel und Farbe Szenen aus FaustI, ihrer künstlerischen Inspiration folgend, in sehr individuellem Stil auf die Leinwand bannt. Wunderlich hielt sich dagegen streng an Goethes Texte. Ihre künstlerische Freiheit lag in ihrer verbalen Interpretation, die abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Aus dem Monumentalwerk hatte sie Originalszenen geschickt ausgewählt, spannte ohne Brüche einen weiten Bogen von Fausts Studierstube, dem Pakt mit Mephisto bis hin zu Gretchens Verführung. Sie machte die Zweifel ob der scheinbaren Gottlosigkeit des Geliebten ebenso erlebbar wie die Schmach und Schande, mit der die Umgebung das gefallene Mädchen ächtet. Das alles war so gekonnt inszeniert, dass die Zuhörer das Drama als Ganzes verinnerlichen konnten.

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