Gefährliches Spielfeld

Archiv

Im Trainingsbetrieb von Phönix Lomersheim sind Verletzungen an der Tagesordnung – Schiedsrichter bläst Jugend-Pokalspiel ab

Ein Kunstrasenplatz ist schon lange der Wunsch von Phönix Lomersheim. Wie dringend diese Investition vonnöten ist, hat sich in dieser Woche gezeigt. Das Bezirkspokalspiel der A-Junioren gegen den FSV 08 Bissingen fiel aus, weil der Schiedsrichter den Platz angesichts tiefer Löcher für unbespielbar erklärte.

Der zweite Fußballplatz von Phönix Lomersheim gleicht mehr einem Acker als einem Rasen. Furchen, Löcher, Maulwurfshügel durchziehen das Spielfeld auf ganzer Länge und Breite. Foto: Eigner

Der zweite Fußballplatz von Phönix Lomersheim gleicht mehr einem Acker als einem Rasen. Furchen, Löcher, Maulwurfshügel durchziehen das Spielfeld auf ganzer Länge und Breite. Foto: Eigner

Von Steffen-Michael Eigner Mühlacker-Lomersheim. Wer mit gestrecktem Bein voran heranrauscht, wird zurückgepfiffen, auch wenn er nur den Ball trifft. Doch nicht nur „gefährliches Spiel“ unterbindet ein Schiedsrichter. Auch wenn ein Spielfeld Verletzungen wahrscheinlich erscheinen lässt, greift der Unparteiische durch. So am Dienstagabend, als die A-Junioren von Phönix Lomersheim gegen 08 Bissingen hätten spielen sollen. Weil das tadellose Hauptspielfeld am Wässerle nicht mit Flutlicht ausgestattet ist, hätte die Partie bei hereinbrechender Dunkelheit auf dem Nebenplatz stattfinden müssen. Doch der eingeteilte Schiedsrichter Sven Sattler aus Vaihingen legte sein Veto ein. Er erklärte den Platz für unbespielbar und sagte die Partie ab. „Ausschlaggebend für meine Entscheidung waren insbesondere die Platzschäden in der direkt am Bach liegenden Platzhälfte. Hier war der Platz durch Maulwürfe so geschädigt, dass durch teilweise mehrere Zentimeter hohe Maulwurfshügel sowohl auf den Außenbahnen als auch in der Platzmitte das kontrollierte Spielen des Balles nur sehr eingeschränkt möglich war. Noch gravierender für meine Entscheidung, den Platz für unbespielbar zu erklären, war jedoch die extreme Verletzungsgefahr für die Spieler, die durch die Platzschäden in dieser Spielfeldhälfte verursacht wurde“, schreibt der Unparteiische in seinem offiziellen Bericht an den Fußballverband. Weiter heißt es: „Bei meiner gründlichen Platzkontrolle fand ich dort sogar in den erfahrungsgemäß neuralgischen Zonen wie Strafraum und Mittelfeld bis zu zehn Zentimeter tiefe Löcher vor, die teilweise Durchmesser von bis zu etwa 30 Zentimetern aufwiesen. Einige dieser tiefen Löcher waren darüber hinaus auch noch so stark von Gras überwachsen, dass sie auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen waren und so eine noch größere Gefahr für die Spieler darstellten. Hätte ein Spieler bei einem schnellen Sprint in eines dieser tiefen Löcher getreten oder wäre er nach einem Luftkampf mit einem Bein in einem dieser tiefen Löcher gelandet und dabei noch womöglich umgeknickt, wären schwere Gelenk- und Knochenverletzungen die Folge gewesen. Die Gesundheit der Spieler konnte bei diesen Platzverhältnissen also nicht gewährleistet werden.“ Die Trainer beider Vereine hätten seinem Urteil beigepflichtet, schreibt Sattler an den Verband. Für Bernd Common, den Trainer der Lomersheimer A-Junioren, kam die Entscheidung des Schiedsrichters nicht überraschend. „Wir haben bei unseren Spielern ständig Verletzungen. Bänderdehnungen, Bänderrisse uns anderes. Es ist eigentlich ein Wunder, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist.“ Der Grund für den schlimmen Zustand des Platzes ist nicht etwa Vernachlässigung. Erst vor einem Jahr hat der Verein mehr als 5000 Euro aufgewendet, um Sand in den Boden einzuarbeiten und das Spielfeld einzuebnen. Doch das hält angesichts von 200 Fußballern, die Woche für Woche auf diesem einen Platz trainieren, nicht lange. „80 Prozent unserer Jugendmannschaften trainieren darauf, dazu 40 bis 45 Aktive“, verdeutlicht Common die Belastung, unter der die Grashalme ächzen. „Es ist für uns die Frage, wie oft man noch Geld in einen Platz stecken soll, der eigentlich gar nicht mehr zu sanieren ist.“ Der Zustand des Rasens, der eigentlich längst kein solcher mehr ist, führt im Training der Phönix-Fußballer zu einigen Absurditäten. „Wir suchen uns die Ecke des Platzes, die am wenigsten ramponiert ist, und auf diesem Drittel trainieren wir dann. Den Rest des Spielfeldes ignorieren wir einfach“, schildert Bernd Common. Eine Viererkette lässt sich so freilich kaum auf das Mittelfeld abstimmen. Auf dem Hauptspielfeld will man nicht trainieren. „Sonst sieht das bald genauso aus.“ So sehnt man in Lomersheim immer heißer den Tag herbei, an dem der ramponierte Fußballacker in einen Kunstrasenplatz umgebaut wird. Wann es so weit ist, steht weiterhin in den Sternen. Doch immerhin gibt es Anzeichen, dass dieser Tag näher rückt. Für kommende Woche sei in der Stadtverwaltung ein internes Gespräch zu dem Thema anberaumt, hieß es auf Anfrage des Mühlacker Tagblatt aus dem Büro des Oberbürgermeisters. In der Woche darauf stünden Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Verein auf der Agenda. Ob an den Bau eines Kunstrasens schon 2013 zu denken sei, sei vor diesen Gesprächen nicht zu sagen, hieß es aus dem Rathaus. Rund 500000 Euro würde ein solcher Kunstrasen nach Auskunft des Vereinsvorstandes in der letzten Mitgliederversammlung kosten. Mit Zuschüssen in Höhe von zusammen 300000 Euro vom Sportverband und der Stadt sei zu rechnen, sagte damals der Phönix-Vorsitzende Karlheinz Mannhardt. Folglich müsste der TSV Phönix rund 200000 Euro selbst aufbringen. Ein dicker Batzen, aber vielleicht besser ein großes Fass als eines ohne Boden. Offen ist auch, was nun mit dem Pokalspiel geschieht. „Darüber muss nun das Kreisschiedsgericht entscheiden“, sagt Bernd Common. Das Problem: Weil die Wochenenden stets mit Punktspielen belegt sind, muss unter der Woche gespielt werden. Ungern würde Phönix Lomersheim auf sein Heimrecht verzichten und in Bissingen spielen. Aber auch das wäreallemal besser, als am grünen Tisch aus dem Wettbewerb auszuscheiden.

Wir freuen uns, dass Sie sich für einen logo Artikel interessieren. Jetzt registrieren und weiterlesen.

  • Alle Webseiteninhalte
  • Inklusive aller logo Artikel
  • Jederzeit kündbar

Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen

Artikel empfehlen