Frau Müller hat’s im Kinosaal schwer

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Was für ein Theater im „Rex“: Knapp 200 Zuschauer genießen den Ortswechsel der Schauspieler

Pforzheim. „Sitzen Sie gut?“, lautet die Frage von Intendant Thomas Münstermann. „Besser als im Podium“, ist die Antwort aus dem dunklen Saal. Schon mal gute Voraussetzungen für das Experiment, das Stadttheater, besser: ein Stück desselben samt Schauspielern, ins Kino „Rex“ zu verpflanzen. Dort hat Markus Löchner als dickbäuchiger Vater-Prolet auch mehr Platz und Raum um den Schmerbauch herum, um sich so richtig in Rage über die „unfähige“ Frau Müller zu reden und dieser (fast) an den Kragen zu gehen. Geschrien wird von allen Seiten, denn „Frau Müller muss weg“, darin sind sich die Eltern einig. Es geht schließlich um das Seelenheil des heiß geliebten Nachwuchses. Aber geschrien wird nicht nur in eine Richtung. Frau Müller ist nämlich nicht so einfach aus der Klasse wegzukriegen. Sie wehrt sich mit Händen und Füßen. Und dann dreht die toughe Lehrkraft den Spieß ganz einfach um.

Frau Müller hat’s im Kinosaal schwer

Der Herr Papa (Markus Löchner) gibt Frau Müller (Katja Thiele) die verbale Kante. Foto: Roth

Was die Eltern in dem Spiegel, den Frau Müller (Katja Thiele) ihnen vors empörte Gesicht hält, entdecken, das gefällt ihnen gar nicht. Und es lässt sie erst ausrasten, dann kleinlaut werden. Am Ende sind es eher die Eltern, die wegmüssen. Geschrien wird, wie erwähnt, eine ganze Menge, das verteilt sich aber gut im großen Kinosaal des „Rex“. Das merken die Schauspieler sicher auch, dass die Stimmen im Nirwana verschwinden und ihr Kontakt zum Publikum eher im Dunkeln bleibt. „Die sind ein bisschen nervös, denn es ist schon etwas anderes, hier zu spielen“, sagt Intendant Thomas Münstermann zu Beginn des „Experiments“. Ihm zur Seite steht im wahrsten Sinn des Wortes Kinochef Michael Geiger, dem das offenbar ganz gut gefällt, dass man diese Art der Bespielung des Kinosaals wieder aus dem „Dornröschenschlaf“ (Zitat Münstermann) weckt, besser: schreit. Angesichts der Terminfülle am Wochenende sind die Kinoreihen (mit viel Beinfreiheit) mit knapp 200 Gästen erstaunlich gut besetzt. Schauspiel live zu genießen, scheint auch an einem äußerst lauen Sommerabend ein Vergnügen zu sein. Und zwar quer durch alle Altersstufen. Und man sitzt nicht nur gut, man knabbert auch leidlich am Popcorn und lutscht Eis am Stiel.

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