Fragwürdig
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Petent bekommt Recht: In Enzberg darf schneller gefahren werden
Den Enzbergern geht der Diskussionsstoff nicht aus. Nach der Wildschweinplage, anlässlich derer heute eine Kommission des Petitionsausschusses ins Mühlacker Rathaus kommt, und dem Dauerstreit über eine Erweiterung des Steinbruchs an der Brettener Straße macht jetzt die Rücknahme des Tempo-40-Limits in der Kieselbronner Straße Schlagzeilen. Auch in diesem Fall war der Petitionsausschuss des Landtags mit von der Partie.Dass dieses Gremium, bekräftigt vom Landtag, eine Verkehrsregelung kassiert, ist allein schon selten. Doch zu einer zusätzlichen Kuriosität tragen die Umstände bei, die das ganze Verfahren ins Rollen brachten: Ein Autofahrer ist sauer, weil er wegen zu schnellen Fahrens einen Strafzettel bekommt, meldet Bedenken an der Rechtmäßigkeit der Geschwindigkeitsbegrenzung an und wendet sich an den Petitionsausschuss.Rein statistisch verlaufen derlei Eingaben zu rund 80 Prozent erfolglos für die Petenten. Doch in diesem Fall wird die Statistik widerlegt. Der erboste Bürger obsiegt. Die Landespolitiker teilen seine Zweifel. Über ihre Entscheidung herrscht nicht nur im Rathaus Unmut, auch Anlieger der Kieselbronner Straße dürften darüber nicht glücklich sein, schließlich hat die Stadt Mühlacker in ihrem Interesse jahrelang für die 40er Regelung gekämpft.Die kühlen Zahlen sprechen für die Entscheidung, aber . . .Für den Beschluss des Landes sprechen freilich die Messergebnisse: Die Kieselbronner Straße ist kein Unfallschwerpunkt, und das Verkehrsaufkommen liegt unter dem Landesdurchschnitt. Gleiches gilt für die Zahl der durchbrausenden Lastwagen.Den dürren Zahlen zum Trotz darf der Beschluss, Autofahrern grünes Licht dafür zu geben, künftig wieder kräftiger aufs Gaspedal zu treten, kritisiert werden. Ob in Diefenbach oder anderen Enzkreisorten wie Gräfenhausen – Tempo 40 ist längst ein probates Mittel, Straßen sicherer zu machen. In Dillweißenstein und Bad Liebenzell gilt sogar auf Ortsdurchfahrten, die Bundesstraßen sind – also denkbar hoch klassifizierte Trassen –, eine maximale Geschwindigkeit von 40 km/h.Den Anwohnern hat diese Reduzierung genutzt. Weniger Unfallgefahren, weniger Abgase, weniger Lärm. Dass es nun heißt „Kommando zurück !“, ist eine fragwürdige Weichenstellung.
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