Film über Mordbrenner Wagner geplant

Archiv

Der Schauspieler und Dramatiker Johannes Hoffmann recherchiert in Mühlhausen zu einer künstlerischen Dokumentation über den Amokläufer, der 1913 in Mühlhausen wütete. Möglicherweise spielt der 39-Jährige auch eine Rolle in „Die Reise“.

Mühlacker-Lienzingen/Mühlhausen. Die Dreharbeiten zum Film „Die Reise“ des Lienzinger Bierkeller- und Kulturvereins, der in Zeiten des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688 bis 1697) und danach spielt, gehen trotz Corona weiter. Als am Sonntag unter Leitung des Vereinsvorsitzenden und Regisseurs Roland Straub eine Szene mit dem Seher aufgenommen wurde, in der ein Wahrsager einer Familie kundtat, wie ihre Reise vom Odenwald zurück in ihre Heimat Lienzingen, aus der sie geflüchtet war, wohl verlaufen werde, hatte sich ein ungewöhnlicher und fachkundiger Gast am Set eingefunden. Und der konnte auch gleich Tipps geben: Johannes Hoffmann, in Graz geborener Schauspieler, der zuletzt am Schauspielhaus in Salzburg auftrat, Autor und Dramatiker. Derzeit lebt der 39-Jährige in Nürnberg und Zürich, wo er berufsbegleitend studiert und an seinem Master of Arts in Transdisziplinarität arbeitet.

Film über Mordbrenner Wagner geplant

Aktuelle Dreharbeiten: Szene mit dem die Zukunft voraussagenden „Seher“ aus dem Film „Die Reise“ des Lienzinger Bierkeller- und Kulturvereins. Foto: privat

Dass es den vielseitigen Künstler ausgerechnet in den Raum Mühlacker verschlagen hat, ist freilich kein Zufall. Der Grund: Hoffmann recherchiert aktuell für einen „künstlerisch-dokumentarischen Film“ über den „Mordbrenner“ Ernst August Wagner. Diese historische, berüchtigte Figur ist heute noch vor allem Mühlhäusern ein Begriff. Denn genau dort, wo er jahrelang als Dorflehrer gearbeitet hatte, wütete Wagner während eines in die Annalen eingegangenen Amoklaufs: Am 4. September 1913 legte er an mehreren Stellen Feuer und erschoss im Enztal, nachdem er zuvor in Degerloch seine Ehefrau und die vier Kinder getötet hatte, neun Einwohner. Am Ende wurde der Massenmörder gefasst und in die Heilanstalt Winnenthal eingeliefert, wo er bis zu seinem Lebensende 1938 inhaftiert blieb.

Wir freuen uns, dass Sie sich für einen logo Artikel interessieren. Jetzt registrieren und weiterlesen.

  • Alle Webseiteninhalte
  • Inklusive aller logo Artikel
  • Jederzeit kündbar

Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen

Artikel empfehlen