Fachkräfte befürchten Zunahme häuslicher Gewalt

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Zahl der Anrufe hilfesuchender Frauen hat in diesem Jahr zugenommen. Eine Rolle spielen vermutlich die Corona-Einschränkungen.

Pforzheim. Vor große Herausforderungen stellt die Corona-Pandemie das Pforzheimer Frauenhaus und die Fachstelle gegen häusliche Gewalt und ihre Mitarbeiter. So zählen die beiden Einrichtungen, die wegen Synergieeffekten inzwischen gemeinsam firmieren, dieses Jahr bislang 365 Fälle, nach 211 Fällen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Fälle, das sind Anruferinnen mit manchmal nur einmaligem Kontakt bis hin zu Frauen, die wegen häuslicher Gewalt eine Aufnahme in einem Frauenhaus suchen und brauchen. „Diese Zunahme ist für uns ein Beleg, dass es wegen der Einschränkungen von Corona vermehrt zu häuslicher Gewalt kommt“, sagt die Geschäftsführerin beider Einrichtungen und Diakonie-Chefin Sabine Jost. Eine schwierige Situation für alle Beteiligten schaffe auch die Notwendigkeit, Hilfesuchende zunächst zwei Wochen in Quarantäne zu versorgen, bis sie in das eigentliche Frauenhaus können.

Fachkräfte befürchten Zunahme häuslicher Gewalt

Blättern im Jahresbericht: die Leiterin von Frauenhaus und Fachstelle gegen häusliche Gewalt, Tanja Göldner (links), und die Geschäftsführerin der Trägergesellschaft, Sabine Jost. Foto: Peche

Nach dem Erstgespräch am Telefon wird meist ein Treffen in der Fachstelle vereinbart, zu dem zahlreiche Frauen aber dann doch nicht kommen, schildert Jost die momentane, von Corona geprägte Lage. „Die Frauen trauen sich wegen der Infektionsrisiken nicht, das Haus zu verlassen“, hat Jost festgestellt. Damit sei eine große Hemmschwelle für den persönlichen Besuch in der Fachstelle oder im Frauenhaus entstanden. Ganz sicher kann Jost die Annahme, dass die Corona-Krise und ihre Einschränkungen zu mehr Gewalt in der Familie führen, noch nicht bestätigen. „Das wird noch kommen“, damit rechnet auch Tanja Göldner, die nach der Umstrukturierung jetzt Leiterin beider Einrichtungen ist. Für die verzögerte Kenntnis von Gewaltäußerungen und entsprechende Hilfeersuchen seien derzeit auch Ferien und Urlaub verantwortlich, wo sich zusammen mit den Weihnachtsfeiertagen die häusliche Lage oft noch verschärft.

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