Entschlossenheit beeindruckt
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Ehepaar Kiontke feiert Goldene
Mühlacker. „Jung gefreit hat nicht gereut“, können Isolde und Ingolf Kiontke von sich sagen, die heute im Familienkreis goldene Hochzeit feiern. Ingolf Kiontke wurde 1941 in Breslau geboren und wuchs mit drei Geschwistern auf. Der Vater wurde früh eingezogen. Im Herbst 1945 wurde die deutsche Bevölkerung in einem großen Flüchtlingstreck vertrieben. „In Wurzen, in der damaligen sowjetischen Besatzungszone, war Endstation. Hungernd und frierend wurden wir zu fünft in einem Zimmer einquartiert“, erinnert sich Ingolf Kiontke. „Wir Flüchtlinge waren nicht gern gesehen. Der Hund vom Nachbarn bekam gekochte Kartoffeln vorgesetzt, die Hühner Brot. Wir Kinder haben das aus den Futternäpfen geklaut. Wenn wir erwischt wurden, wurden wir ausgepeitscht.“ Mit sechs Jahren wurde er eingeschult. Dass der Vater inzwischen aus französischer Kriegsgefangenschaft nach Schmie entlassen worden war, ahnten Frau und Kinder nicht. „Durch glückliche Umstände gelang es, uns ausfindig zu machen. 1948 sind wir über die Grenze, kamen in ein Auffanglager und dann nach Schmie“, erzählt der Jubilar. Nach Abschluss der Volksschule begann er als 14-Jähriger eine Schreinerlehre bei einer Illinger Firma.
Isolde und Ingolf Kiontke. Foto: Filitz
Seine spätere Frau Isolde kam 1944 im Storchennest im Mühlacker zur Welt, verbrachte die ersten Lebensjahre mit ihren zwei Geschwistern teils in Dürrmenz, teils in Ludwigsburg. Sie absolvierte eine kaufmännische Lehre, war beruflich in Ludwigsburg, Stuttgart und später in Mühlacker tätig. 1960 begannen ihre Eltern, in Illingen ein Haus zu bauen. Unter den Handwerkern fiel ihr ein junger Mann auf, der kräftig zupacken konnte. Und dann brachte ihm Isolde eines Tages ein marodes Nachtkästchen zur Reparatur. Die unzähligen Holzwürmer darin hatten keine Chance – Ingolf nahm eine Axt und zerhackte das gute Stück – ohne zu fragen, wohlgemerkt. Vor so viel Entschlossenheit kapitulierte Isolde vollends. Am 16. November 1963 wurde geheiratet, 1971 an der Öschelbronner Straße das eigene Haus gebaut. Kiontke kann als Musterschwabe gelten: Schaffen, schaffen und nochmals schaffen, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, und einen Sohn gab es inzwischen auch. Kummer hatten die Eltern mit ihrem zweiten Jungen, er starb im Alter von nur vier Monaten.
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