Eltern müssen rechnen

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Schulranzen, Mäppchen und Co.: Nicht jeder Familie fällt es leicht, Abc-Schützen auszustatten

Mühlacker. Auch wenn sie nun schon einige Tage lang die Schulbank drücken: Von den Abc-Schützen ausrechnen zu lassen, wie viel Geld für ihre Erstausstattung über den Ladentisch gewandert ist, wäre deutlich zu viel verlangt. Zu viel – so mögen die finanzielle Herausforderung auch Familien einordnen, die nicht auf Rosen gebettet sind. Einen speziellen Fonds zur Unterstützung, wie er vor zehn Jahren von der Diakonie in Zusammenarbeit mit der Caritas und dem Tafelladen initiiert worden war, gebe es zwar nicht mehr, sagt Isolde Renner-Rosentreter von der Diakonie Enzkreis. Schließlich unterstütze das Jobcenter Eltern von Schulkindern mit einem Zuschuss. Dennoch sei klar, dass die Anschaffungen, die weit über Ranzen, Mäppchen und Sportbeutel hinausgehen, in den Geldbeutel von wenig Begüterten eine Lücke reißen können.

Eltern müssen rechnen

Arbeitsmaterial für die Schule gibt es nicht zum Nulltarif. Christian Schwier/Fotolia

Um in etwa abzuschätzen, wie viele Familien im Bereich der Dienststelle Mühlacker betroffen sein könnten, zieht Isolde Renner-Rosentreter die Zahl der Tafelkunden heran. „Zur Zeit sind rund 250 Tafelausweise ausgestellt; darunter sind circa 150 Familien mit Kindern unter 16 Jahren. Das Einzugsgebiet ist rund um Mühlacker der östliche Enzkreis“, entnimmt sie ihren Unterlagen. Unterstützungsbedarf komme durchaus auch in Einzelgesprächen zum Ausdruck. Isolde Renner-Rosentreter schildert ein Fallbeispiel: Eine Klientin sei im August zur Beratung gekommen, da sie von einer anderen sozialen Einrichtung gehört habe, dass die Diakonie sie gegebenenfalls in ihrem Anliegen unterstützen könnte. Sie beziehe derzeit HartzIV, sei alleinerziehend, und ihr Sohn werde nun eingeschult. Vom Kindsvater habe sie bisher keinerlei Unterstützung erhalten, auch nicht finanziell, berichtet Renner-Rosentreter. Erschwerend komme hinzu, dass die Mutter derzeit noch Rückzahlungen an das Amt aufgrund eines gewährten Darlehens in Höhe von 50 Euro pro Monat zu leisten habe. Für Bezieher von Arbeitslosengeld II gebe es zwar insgesamt 100 Euro pro Schuljahr zur Deckung des Schulbedarfs, jedoch keine gesonderte Hilfe bei der Einschulung. „Wir konnten die Klientin mit einem Betrag von 50 Euro aus unseren Spendenmitteln unterstützen“, sagt Isolde Renner-Rosentreter. Eine weitere konkrete Hilfe eröffne sich immer wieder im sozialen Laden Madita, wenn diesem Schulmaterial gespendet werde, das wiederum sehr günstig verkauft werde.

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