Eltern müssen mehr für Kinderbetreuung zahlen
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Kritiker sehen im Ratsbeschluss genau das „falsche Signal“
Maulbronn. Eltern müssen für die Betreuung ihrer Sprösslinge in Maulbronner Kindergärten und Krippen ab Anfang des nächsten Jahres tiefer in die Tasche greifen. Die Elternbeiträge steigen um etwa sechs Prozent. Für ein Kind steigt der Beitrag damit von 108 auf 116 Euro im Monat an. Eine breite Mehrheit stimmte im Gemeinderat für die Gebührenerhöhung, gegen den Vorschlag der Verwaltung votierten die Liste Mensch und Umwelt (LMU) sowie Manfred Buchner von der SPD. Der sagte: „Das ist das falsche Signal an junge Menschen, eigentlich müsste das Angebot kostenlos sein.“ In Schmie gehe die Geburtenrate gegen null, mit solch einem Beschluss könne man die Menschen nicht dazu bringen, Kinder in die Welt zu setzen. Peter Wilhelm, Sprecher der LMU, argumentierte damit, dass die Erhöhung für den Haushalt der Stadt keine große Entlastung sei. Dem hielt Bürgermeister Andreas Felchle entgegen, dass für Eltern mit einem Kind im Kindergarten der Mehraufwand bei 88 Euro im Jahr liege. Das sei zumutbar, zumal die kommunalen und kirchlichen Fachverbände empfohlen hätten, einen Kostendeckungsgrad durch Elternbeiträge von etwa 20 Prozent anzustreben. „Davon sind wir in Maulbronn noch weit entfernt.“ Der Deckungsgrad liegt nach Darstellung der Verwaltung auch nach der Gebührenerhöhung bei zehn bis zwölf Prozent. Evelyn Lautenschlager von der LMU sagte, dass sie 88 Euro viel finde, und betonte: „Kinder dürfen kein Luxus sein.“ Die Mehrheit im Rat war aus wirtschaftlichen Gründen jedoch für eine Anhebung der Gebühren. In diesem Jahr rechnet die Stadt mit Blick auf die Kindergärten und Krippen mit Kosten von knapp einer Million Euro. Sie finanziert zu einem Großteil auch die kirchlichen Einrichtungen, deren Träger sich nur mit rund 30000 Euro an den Kosten beteiligen. In die zu erwartenden Kosten hat Stadtkämmerer Frank Burghardt die Einnahmen, also die Elternbeiträge, bereits eingerechnet. „Diese belaufen sich auf etwa 140000 Euro.“ Burghardt kann die Argumente der Kritiker verstehen, „aber nur den Kirchturm allein zu sehen, halte ich für falsch“. Wenn, dann müsste eine bundesweite Regelung her, sagt er auf Nachfrage. „Die Kleinstaaterei müsste eigentlich ein Ende haben“, so Burghardt mit Blick auf Länder wie Rheinland-Pfalz, wo der Kindergartenbesuch die Eltern nichts kostet.
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